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Leseprobe: Jacques Toffi im Portrait

Die Geschichte eines Künstlers

Vor 40 Jahren machte Jacques Toffi sein erstes Bild auf dem Deutschen Spring- und Dressurderby in Hamburg. Er war jung, verliebt und wollte Seefahrer werden. Er wurde einer der besten Pferdesportfotografen der Welt.

Hamburg ist seine Wahl-Heimat, das Hamburger Derby seine Liebe: Jacques Toffi.

Die rund 20 Kilo schwere Fotoausrüstung legt er erst mal zur Seite. Sein Blick schweift langsam über den Platz. Es ist Samstagmittag auf dem Derbyplatz in Hamburg Klein Flottbek. Regenpause. Die Sonne bricht durch. Sie wird gleich wieder weg sein. Das stört Jacques Toffi nicht. „Schlechtes Wetter macht die Bilder nur interessanter“, hat er seinem Sohn Jean George, der Jacques diese Tage mit der Fotokamera begleitet, vor Jahren einmal gesagt. „Nur blauer Himmel ist langweilig“, sagt Jacques Toffi jetzt. Viel wichtiger ist ihm nun ein geeigneter Platz im Hinderniswald. Der Platz, wo er ein gutes Bild machen kann. Vielleicht ein besonderes. Seine wachen Augen blicken unter der beigen Schiebermütze über den Platz. In Ruhe. Er zündet sich ein Zigarillo an. „Jacques Toffi kann alles, nur nicht schnell“, sagt Jacques Toffi. Er möchte nicht irgendein Foto machen. Es muss alles stimmen, das Licht, der Hintergrund, das Motiv, Mensch und Tier – das Gefühl. Er muss eine Emotion empfinden bei den Bildern, die er macht. Er fotografiert nicht nur mit dem Finger. Er fotografiert mit seiner Seele, seinem Herzen. Halbe Sachen macht er nicht. Auch deshalb ist er einer der besten Pferdesportfotografen der Welt geworden. Ein Toffi ist ein Toffi. Meint den Menschen. Meint die Fotos. Seine Bilder sind anders als die der anderen. Ist es Kunst? Er überlegt, atmet tief ein. „Kunst ist die Idee. Kunst ist, wenn du die Rahmenbedingungen bestimmen kannst, wie ein Maler. Aber bei einem Reitturnier kannst du die Rahmenbedingungen nicht bestimmen, du hast das Licht, den Parcours. Das ist Handwerk.“

Sein Blick sucht weiter nach einem guten Platz. Vergeblich. Morgen, da ist das Springderby, Herzstück dieses Turniers. 102 Jahre alt ist es mittlerweile, eine alte Hamburger Dame. Toffi zeigt auf die Mitte der langen Zuschauertribüne. Dort stand er 1982 mit seiner allerersten Kamera. Vielleicht eine Leica, ganz genau weiß er das nicht mehr. Aber wer gewonnen hat, weiß er: Achaz von Buchwaldt auf Wendy. „Ich glaube, mich hat damals mehr die Siegerehrung interessiert“, sagt er und lacht. Ein leises Lachen in den grauen Bart. „Ich habe geguckt, aber nichts kapiert. Ich wusste nicht, was das alles zu bedeuten hat, wie schwierig oder wie leicht das ist. Bis dahin hatte ich ja keine Vergleichsmöglichkeiten.“

Er war mit seiner Freundin und späteren Frau Katharina, selbst Reiterin in Flottbek, und ihrer Familie da. Eine pferdeverrückte Familie, wie so viele Menschen im Hamburger Westen. „Deswegen sagt man auch, hier leben die besseren Engländer. Sie gehen zu jeder Veranstaltung mit Pferden“, erzählt Jacques Toffi. Durch Katharina kam er mit Pferden überhaupt erst in Berührung. „Wir waren damals gerade erst befreundet, wir waren jung. Und wenn man verliebt ist, geht man dorthin, wo der Partner hingeht.“ Fotografiert hat er damals schon gerne, aber da wusste er noch nicht, dass er mit der Fotografie mal seinen Lebensunterhalt verdienen würde. Überhaupt steckte sein Leben noch voller für ihn überraschender Wendungen.Toffi erinnert sich gern an dieses Derby 1982, auch weil er die Menschen von damals immer besser kennenlernte. Als Achaz von Buchwaldt zum zweiten Mal Derbysieger wurde – mit Lausejunge – da war Jacques Toffi bereits Turnierfotograf. Achaz und Jacques – sie eint ein langer gemeinsamer Weg mit vielen Begegnungen und schönen Gesprächen. „Ich begrüße ihn noch immer mit ‚Derbysieger’ und er lacht dann nur und sagt, ‚Ach Jacques, du bist einer der wenigen, die das noch wissen’.“ Es gibt einige dieser Weggefährten. Michael Rüping, Alwin und Paul Schockemöhle, Karsten Huck – „meine Generation“. Seine Weggefährten. Monica Theodorescu ist auch so eine, „vielleicht der kultivierteste Mensch in diesem Sport. Mit ihrem Vater George hat mich die Liebe zu Speis‘ und Trank verbunden“. Solche Begegnungen schätzt Jacques Toffi, sie berühren ihn. Er hat Respekt vor dem Menschen, ganz gleich, wo dieser herkommt oder was er für eine Aufgabe hat. So wurde er selbst groß. (...)

Wie Jacques Toffi in Syrien aufwuchs, mit dem Wunsch, Seefahrer zu werden, nach Hamburg kam - und wie der dann den Weg zur Fotografie fand, erzählt Redekteurin Karolin Leszinski in der Juli-Ausgabe 2022. Hier können Sie das Magazin direkt versandkostenfrei bestellen.