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Entscheidungshilfe beim Deckenkauf

So wählen Sie die richtige Winterdecke für Ihr Pferd

Nicht bei allen Pferden funktioniert die Thermoregulation in vollem Umfang. Sie brauchen definitiv eine Decke und die sollte man sorgsam auswählen. Hier finden Sie wichtigen Faktoren, auf die Sie achten sollten.

Welche Decke ist für welches Pferd geeignet?

Welche Decke für welchen Zweck?

"Am besten machen Sie sich erst Gedanken, wofür die Decke genutzt werden soll und was Sie dafür ausgeben möchten", rät Claire Nulty, Marketing Manager bei Deckenhersteller Bucas. Wollen Sie Ihr Pferd eindecken, weil es geschoren ist und die Thermoregulation eingeschränkt ist? Oder wollen Sie eine Decke, die Sie nach dem Reiten, wenn das Pferd verschwitzt ist, drauf lassen können bis Sie wieder von der Arbeit kommen? Definieren Sie den Zweck, den die Decke erfüllen soll und suchen Sie dann nach einem passenden Modell, rät die Expertin. Und fügt hinzu, dass es Decken im Sortiment gibt, die sowohl als Abschwitzdecke als auch als Decke für draußen genutzt werden können. Die Expertin selbst reitet vor der Arbeit, wirft ihrem Pferd dann eine Abschwitzdecke mit 'stay-dry Funktion' über. Die Feuchtigkeit wird über die Decke aufgenommen, verpufft anschließend. Mit der zusätzlichen wasserabweisenden Funktion bleibe das Pferd selbst bei dem Paddock-Aufenthalt bis abends trocken, betont sie.

"Herkömmliche Abschwitzdecken meist aus Fleece können nur eine gewisse Menge an Feuchtigkeit aufnehmen. Sie haben zudem meist keine wasserabweisende Funktion und sind für den Aufenthalt draußen nicht geeignet", ergänzt Anabel Eskici von Equiva - Händler für Reitsportzubehör & Pferdefutter. Achten Sie also beim Kauf immer auf die Eigenschaften der jeweiligen Decke, die der Hersteller angibt. So können Sie sichgegebenenfalls den Kauf verschiedener Modelle sparen.

Ist das gutes Material?

Für die Zeit auf dem Paddock oder auf der Weide ist auf alle Fälle eine wasserdichte Funktion notwendig. Sie wird mit der sogenannten Wassersäule angegeben. „Ab einem Wassersäulen-Wert von 1.300 mm bis 1.500 mm gilt ein Produkt als wasserdicht“, erklärt Eskici. Eine wasserabweisende Decke hingegen hält Schnee und Regen nur kurze Zeit stand. Viele der Decken sind innen beschichtet. Doch „Viele Pferde reagieren allergisch auf Fleece. Wenn sie richtig gearbeitet wurden, aber danach nicht komplett getrocknet werden, kann ein Juckreiz entstehen“, merkt Claire Nulty an. Einige Decken von Bucas, aber auch von anderen Herstellern, verfügen daher über eine antibakterielle Beschichtung innen. „Sie beugt den lästigen Juckreiz vor. Alternativ sind seidenartige Materialien sanft zur Haut“, erklärt sie und fügt hinzu, dass normaler Fleece auf geschorenen Pferde scheuern kann.

Was die Materialien betrifft, die direkt auf der Haut liegen, ist es wie bei uns Menschen auch: Geschmacksache. Den einen juckt der Wollpulli, den anderen stört der Wollanteil nicht. Anabel Eskici berichtet, dass es inzwischen einige Decken gibt, die sowohl als Stalldecke als auch als Outdoordecke funktionieren und somit kein Umdecken notwendig ist. Zum Teil sind sie eine Art Kombination der Abschwitzdecke, die über eine atmungsaktive Funktion verfügt als auch einer Outdoordecke mit wasserabweisender Funktion.

Denier oder Ripstop haben Sie sicherlich auch schon Mal gehört. Ein weiteres Qualitätsmerkmal auf das Sie beim Kauf achten sollten, rät Eskici. Denier ist das Maß für die Feinheit des Garnes aus dem die Decke gewebt wurde. Je höher die Zahl, desto reißfester und langlebiger ist der Stoff. Ripstop ist eine spezielle Technik und ebenfalls sehr reißfest. Ein weiterer großer Vorteil daran ist, dass selbst bei einem Loch der Stoff nicht viel weiter aufreißt.

Überhitzung vermeiden!

Beim Eindecken besteht generell die Gefahr der Überhitzung durch direkte Sonneneinstrahlung, warnt Nulty. Speziell gilt das bei den Outdoordecken. Einige Hersteller bieten Outdoordecken, die das Sonnenlicht reflektieren und so das Pferd vor unangenehmer Wärme schützen sollen.

Welche Decken-Füllung benötigt mein Pferd?

Das hängt von vielen Faktoren ab. Von der Luftfeuchtigkeit, ob das Pferd geschoren ist, aber nicht zuletzt auch davon wie stark es sich draußen bewegt und wie die Witterung ist. Der Stall indem die Bucas-Expertin ihre Pferde stehen hat, liegt in der Nähe von Cork in Irland. Die niedrigste Durchschnittstemperatur liegt dort bei sieben Grad Celsius. Aufgrund der Meeresnähe ist es dort sehr feucht, stürmisch und nass. Der Boxennachbar ist mit 150 Gramm Füllung eingedeckt, ein anderes Pferd aus dem Stall hingegen mit 600 Gramm. Nultys Vater, auch Ire und selbst Züchter, nutzt für seine nicht geschorenen Zuchtstuten eine leichte Decke mit 50 Gramm-Füllung, mit 'stay-dry Funktion' und wasserdichter Oberfläche. Er nutzt die Decke von Ende Oktober bis manchmal in den März hinein. Minusgrade, Schnee und Eis ist in der Region von Kilkenny, südöstlich von Irland gängig.

Beides zeigt: Jedes Pferd hat ein anderes Wärmeempfinden. Die gängigen Tabellen sind lediglich Orientierungswerte. Ein Feintuning ist in allen Fällen notwendig, betont die Claire Nulty. Nichtsdestotrotz gibt sie als Richtwert: für ungeschorene Pferde 50 Gramm, für Pferde mit Teilschur 100 bis 150 Gramm und komplett geschoren ab 150 Gramm aufwärts. Zudem weist Anabel Eskici von Equiva darauf hin, dass bei ungefütterten Decken die Gefahr besteht, dass die Feuchtigkeit unter der Decke kondensiert und dem Pferd kalt wird. Sie empfiehlt daher in der kalten Jahreszeit zumindest eine 50-Gramm-Decke zu wählen.

Wie finde ich die richtige Größe?

Der allgemeine Tipp, die Rückenlänge vom Widerrist bis zum Schweifansatz auszumessen, ist vermutlich bekannt. Nun ist es ähnlich wie bei Kleiderherstellern. Ein und dieselbe Größe von verschiedenen Herstellern können schonmal ganz unterschiedlich ausfallen. Zu große Decken rutschen nach hinten, verlagern das gesamte Gewicht nach hinten und verursachen Druck auf Brust und Widerrist, weiß Claire Nulty. Zu kleine Decken können einschneiden.

Daher ihr Tipp: ein Maßband des jeweiligen Deckenherstellers sorgt für Klarheit oder schauen Sie auf die Internetseite der Hersteller, wie Sie deren Deckengröße ermitteln. Für Rassen mit besonders kräftigem Hals oder auch für große, gut bemuskelte Dressurpferde ist ein größerer Nackenausschnitt hilfreich. Im Vergleich zu den Standarddecken gibt es auch da speziell Modelle, klärt Nulty auf.

Was tun bei Öffnungskünstler?

Es gibt schon den ein oder anderen Kandidaten, der die Decke von alleine geöffnet bekommt. Am leichtesten zu öffnen sind die gängigen Verschlüsse mit T-Stücken, erklärt Claire Nulty. Magnetverschlüsse als erste Hürde zusätzlich mit weiteren Verschlussarten hindern die Schlawiner am Ausziehen der Decke. Über eine negative Einwirkung der Magnete müssen Sie sich keine Sorgen machen, räumt die Expertin ein. Sie sind so klein, dass sie keinen Einfluss nehmen. Des Weiteren gibt es auch noch Karabiner- oder Snap-Verschlüsse, einfache Schnallen oder den Disk-Verschluss.

Verhaltensexperten raten allerdings eher vom Eindecken ab. Warum das so ist, lesen Sie hier: