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Leseprobe: Haarige Unterschiede

Scheren oder nicht?

Viele Reiter stehen im Herbst vor der Entscheidung: scheren oder nicht? Eine Entscheidung, die man nicht aus Modegründen fällen sollte. Unsere Experten klären auf.

Ob das Pferd geschoren werden sollte, hängt von Training, Haltung und Fellbeschaffenheit ab.

„Ob ich mein Pferd schere, hängt immer davon ab, wie ich mein Pferd halte und bewege“, erklärt Ulrike Flaskamp. Sie hat 2012 den mobilen Scherservice „Fellvergnügen“ in Rheinbach gegründet. „Pferde, die das ganze Jahr draußen gehalten werden, sollten nur geschoren werden, wenn man sie auch im Winter intensiv trainieren möchte. Wenn ich beispielsweise mit meinem Isländer auf die Töltbahn gehen möchte, kann er mit dickem Fell nicht die Leistung erbringen, die er normalerweise erbringen würde.“ So dürfe man nicht vergessen, dass Isländer für isländische Verhältnisse – sprich: strenge Winter – gezogen worden seien. Bei den für Deutschland typischen eher milden Wintern wirkt sich ein zu dickes Fell kontraproduktiv aus. „Die Tierärzte verweisen zunehmend auf die Notwendigkeit des Scherens, weil viele Pferde durch das dicke Fell und den Überschuss an Wärme in Kombination mit Training Kreislaufprobleme oder sogar Koliken bekommen“, berichtet Ulrike Flaskamp.

Den ganzen Artikel mit Antworten auf die Fragen, welche Schur sich für welches Pferd eignet, welche unterschiedlichen Fellarten es gibt, wann das Pferd eine Decke braucht und was unsere Experten von Schermustern halten, lesen Sie in der Oktober-Ausgabe 2020 der Reiter Revue, die Sie hier versandkostenfrei bestellen können.

Das wichtigste Argument ist jedoch, dass Pferde mit Winterfell – unabhängig von der Rasse – bei intensiver Arbeit stark schwitzen. „Physiologisch hat das Schwitzen durchaus seinen Sinn“, erläutert Tierarzt Dr. Kai Kreling. „Ein Pferd, das viel schwitzt, durchtränkt sein Fell – und das nicht von außen, wie beim Regen, sondern von innen, also der Haut ausgehend. Dabei entsteht Verdunstungskälte, die dazu führt, dass das Pferd insgesamt abkühlt.“ Pferde müssen für diesen Effekt ohnehin ordentlich schwitzen, da sie im Verhältnis zu ihrer Körpermasse eine relativ kleine Oberfläche haben. Durch das Winterfell kann das Trocknen und Kühlen jedoch mehrere Stunden dauern. „Die Pferde können dabei trotz intensiven Schrittreitens unter ihre Kerntemperatur fallen. Sie unterkühlen und können krank werden.“ Ein weiteres Problem: Viele Reiter stellen ihre Pferde aufgrund mangelnder Zeit direkt nach dem Training in den Stall. Hier schwitzen die Pferde jedoch noch eine ganze Zeit nach und fallen weiter unter ihre Kerntemperatur. Auch Muskelverspannungen bis hin zum Kreuzverschlag sind – vor allem in zugigen Ställen – keine Seltenheit. Beide Experten empfehlen deshalb, ein Pferd bei intensivem Arbeiten entweder partiell oder ganz zu scheren.