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Trockene Hufe verhindern

Die Weiden sind vielerorts trocken, die Hufe auch. Brüchige Hufe sind ein Sommerproblem und können schmerzhafte Folgen für das Pferd haben. Wie sie wieder geschmeidig werden, erklärt unser Experte Uwe Lukas.

Die richtige Hufpflege ist im Sommer besonders wichtig, damit die Hufe nicht brüchig werden und Horn absplittert.

Mit Hufen ist es im Sommer wie mit Blumen. Bekommen sie zu wenig Feuchtigkeit, vertrocknen sie. Gerade wenn es länger nicht geregnet hat, bekommen die Hufe keine Feuchtigkeit aus ihrer natürlichen Umgebung, beispielsweise durch nasses Gras. Das macht sie spröde und rissig. Hufschmied Uwe Lukas von der Tierklinik Telgte erklärt: „Der Huf verliert seine natürliche Elastizität. In der Hornkapsel kann keine Bewegung mehr stattfinden. Schlimmstenfalls reißt der Huf ein und das Pferd bekommt blutige Hornspalten.“ Am Kronrand lassen sich trockene Hufe am besten erkennen. Statt eines glatten Übergangs vom Horn zum Fell ist der Kronsaum spröde und borkig. Für Uwe Lukas liegen die Gründe dafür in der Haltung. Wenn es längere Zeit nicht regnet, müssen die Pferde nachts auf die Weide, meint Uwe Lukas. Dann setzt sich nämlich Tau an die Grashalme, der über Stunden in die Hufe zieht.

Wässern bringt nichts

Manche behaupten, es genüge, jeden Huf täglich zehn Minuten mit dem Wasserschlauch abzuspritzen, um ihn feucht zu halten. Uwe Lukas winkt ab: „Man müsste den Wasserstrahl stundenlang auf den Huf halten. Das macht erstens keiner und zweitens wäre es ökologisch und ökonomisch schwachsinnig.“ Besser seien Hufverbände oder spezielle Hufglocken, sogenannte Water-Boots. Kritisch aus Hufschmied-Sicht betrachtet Uwe Lukas gepflasterte Paddockboxen. „Die Pferde nutzen ihren Paddock gerne und stehen viel draußen. Dadurch kommen die Hufe nicht im Geringsten mit Wasser in Berührung und trocknen aus.“ Das gleiche Problem entsteht laut Hufschmied auch häufig bei Aktivställen mit befestigten Böden. Der Tipp vom Experten: auf feuchtem Erdboden reiten, beispielsweise im Gelände, und danach die Hufe nicht auskratzen. Bleibt die feuchte Erde in der Sohle, ist das bereits ein kleiner Feuchtigkeits-Kick für den Huf.

SOS-Tipps für trockene Hufe

  1. Hufverband über Nacht: Baby-Einwegwindel um den Huf legen, mit Klebeband umwickeln, an der Fessel befestigen und mit Wasser aufgießen. Achtung: Das Klebeband darf nicht einschnüren!
  2. Water-Boots: Hufglocken, deren Innenfutter sich mit Wasser vollsaugen, Glocken in Wasser tränken und anlegen. Experten-Tipp: Top auf dem Weg zum Turnier.
  3. Emulsionen: Die Verbindungen von Wasser und Öl legen keinen wasserabweisenden Film auf die Hufe, wie Huffett oder Huföl. Experten-Tipp: Huf mit Wasser-Öl-Gemisch oder emulgierenden Feuchtigkeitscremes einreiben.

Keine Hausmittelchen ausprobieren!

Im Internet kursieren weitere Hausmittelchen, die harte Hufe wieder geschmeidig machen sollen. „Gieß’ den Hufverband mit Buttermilch an“, heißt es in einem Forumbeitrag. Man schadet seinem Pferd dadurch zwar nicht, gegen trockenes Horn ist das aber auch kein Rezept, findet der Experte: „Buttermilch, Quark oder Sauerkraut haben in Hufverbänden durchaus ihre Berechtigung“, sagt Lukas. „Aber eher wegen ihrer Milchsäurebakterien, die Entzündungen im Huf, beispielsweise bei Hufgeschwüren, reduzieren sollen.“ Wasser bleibt bei Trockenheit das Maß der Dinge. Aber Vorsicht: zu feucht dürfen die Hufe auch nicht sein. „Dann quellen sie auf“, sagt Uwe Lukas. „Das kann den Huf, je nach Größe, zwischen fünf und zehn Millimeter weiter machen.“ Kommt das Pferd von der Wiese wieder in die Box, verdunstet das Wasser im Huf. Er zieht sich wieder zusammen – bei beschlagenen Pferden ein großes Problem. „Das macht keine Hufwand lange mit.“ Tipp: Hufbalsam auftragen, wenn das Pferd von der Weide in die Box kommt. So verdunstet das Wasser im Huf nicht so schnell, der Huf zieht sich nicht so stark zusammen.

Huföl und -fett hingegen sind das pure Gift für trockene Hufe, erklärt Uwe Lukas: „Beides legt einen wasserabweisenden Film auf den Huf. Es kann keine Feuchtigkeit mehr eindringen.“ Besser sei ein Hufbalsam mit großem Wasseranteil. Ebenso haben fetthaltige Cremes auf trockenen Hufen nichts verloren. Auch sie machen Hufe wasserdicht. Das Patent-Rezept für geschmeidige Hufe ist simpel: Neben Weidegang, bestenfalls auf nassem Gras, steht Reiten im Gelände auf feuchten Waldböden hoch im Kurs. Und das ist nicht nur gut für die Hufe, sondern sorgt auch für Spaß und Entspannung bei Pferd und Reiter.