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Neun Fakten über Insekten und Zecken im Stall

Sie sind eine Plage für Pferde, aber gehören zum Sommer wie die Sonnencreme: Bremsen, Mücken, Zecken. Warum das allgemeine Insektensterben keinen Einfluss auf ihre Population hat und wie gefährlich Kriebelmücken sind – klare Erkenntnisse.

Plagegeister des Sommers: Mücken.

Wie gefährlich sind Kriebelmücken für Pferde?

Kriebelmücken stechen mit Vorliebe in die Ohren oder am Bauch des Pferdes. Sie wählen dabei möglichst haarlose Körperstellen aus. „Das gefährliche an ihnen ist das Toxin in ihrem Speichel, das Gefäßschädigungen verursacht “, verdeutlicht Ard Nijhof vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin. Die schmerzhaften Stiche können kleine Blutungen in der Haut auslösen und Ödeme innerer Organe verursachen. Auch Todesfälle durch Kriebelmücken gab es bei Pferden schon. „Da ging es aber um einen extrem starken Befall“, beruhigt der Tierarzt. Kriebelmücken legen ihre Eier in Fließgewässern. Einmal geschlüpft, sind die Tierchen aber nicht nur in Gewässernähe anzutreffen, sondern suchen Pferde auch auf der Weide auf.

Wie reagieren Insekten auf Einflüsse wie Wind und Licht?

„Bei starkem Wind ist mit weniger Gnitzen zu rechnen. Die kleinen Tierchen, die als Auslöser des Sommerekzems gelten, sind bei stürmischem Wetter kaum anzutreffen“, sagt Ard Nijhof. Auch im Stall kann eine leichte Luftzirkulation helfen, Gnitzen auf Abstand zu halten. Aktiv sind sie vor allem in der Dämmerung. Bremsen dagegen haben andere Vorlieben: Sie sind vor allem tagaktiv. Wenn Bremsen bei Pferden das Weidevergnügen trüben, ist der beste Tipp noch immer, die Pferde nur nachts auf die Weide zu lassen.

Dürfen Pferd und Reiter nach einem kalten Winter darauf hoffen, dass es weniger Mücken gibt?

„Nein, denn Mückenlarven in der Eihülle überleben sogar bei eisigen Temperaturen. In ihrem Körper befindet sich eine Art Frostschutzmittel: Glycol“, erklärt Prof. Dr. Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Speyer. Erwachsene weibliche Mücken suchen hingegen häufig Schutz in Kellerräumen, die männlichen sterben vor dem Winter.

Auf welche Weise wirken typische Insektenschutzmittel bei Pferden?

Um ihre Pferde zu schützen, sprühen viele Reiter ihre Pferde mit Insektenschutzmittel ein – auch wenn der Geruch später in der eigenen Kleidung hängt und selbst bei mehrfachem Händewaschen noch wahrnehmbar ist. Warum aber ist der Geruch so wichtig? „Der Geruch von Insektenschutzmitteln, auch Repellentien genannt, schreckt Insekten ab und überdeckt den anziehenden Pferdegeruch. Die Wirkung hält aber nur einige Stunden an“, erklärt Nijhof.

Sind Bremsenstiche für Pferde harmlos?

Wo Pferde oder Rinder sind, schwirren meist auch zahlreiche Bremsen durch die Luft. Die Zweiflügler plagen Mensch und Tier mit ihren schmerzhaften Stichen. Diese können auch krank machen. „Bremsen können auf mechanische Weise Krankheiten übertragen. Dies geschieht durch Blut, das an ihrem Mundwerkzeug klebt“, erläutert Nijhof. „Wird eine Bremse beim Stechen gestört und fliegt direkt zum nächsten Opfer weiter, überträgt sie möglicherweise infiziertes Blut von einem gestochenen Tier auf das andere.“

Zecken beißen nicht, sie stechen. Das macht sie nicht harmloser.

Gibt es in manchen Jahren mehr Zecken als in anderen?

Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Ist die Zahl der Zecken eigentlich von Jahr zu Jahr verschieden? „Zecken sind – wie auch Mücken – sehr winterfest. Frost macht ihnen nichts aus“, erklärt Prof. Dr. Martin Pfeffer vom Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig. „Unter einer Schneedecke sind sie vor extremer Kälte und eisigen Winden bestens geschützt.“ Eine größere Rolle für die Anzahl der Zecken spielt das Nahrungsangebot. „Sind in einem Jahr viele Bucheckern und Eicheln vorhanden, ist das ein hervorragendes Futterangebot für Mäuse, sodass diese sich im folgenden Jahr stark vermehren. Ein weiteres Jahr später ist dann die Zahl der Zecken erhöht, weil sie bei den zahlreichen Mäusen viele Wirte finden können“, beschreibt Pfeffer die Kettenreaktion.

Wo ist die Gefahr für einen Zeckenstich am größten?

Dass Zecken nicht von Bäumen fallen, ist vielen bekannt. Prof. Martin Pfeffer erklärt: „Zecken lieben Feuchtigkeit, daher sind sie in Bodennähe anzutreffen. Weiter oben ist es ihnen zu trocken. Außerdem halten sich Zecken in der Nähe von Bäumen oder Sträuchern auf, denn auch dort herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Auf eine Blutmahlzeit können sie monatelang warten, doch auf Wasser können sie nicht so lange verzichten.“ Bei schönem Wetter berichten besonders viele Reiter von Zeckenstichen. Das liegt allerdings nicht am vermuteten gesteigerten Appetit der Zecken, sondern daran, dass bei Sonnenschein generell mehr Menschen in der Natur unterwegs sind.

Sind wegen des allgemeinen Insektensterbens weniger Plagegeister im Stall und auf der Weide zu erwarten?

„Die Insekten im Umfeld von Pferden sind nicht vom allgemeinen Insektensterben betroffen“, stellt Prof. Dr. Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Speyer klar. „Lebensräume wie Gewässer und Pferdeweiden werden schließlich nicht mit Insektiziden behandelt.“

Was kann ich gegen Insekten und Zecken tun?

Insekten können die Freude an einem Ausritt oder einem Training auf dem Platz ganz schön vermiesen. Doch völlig machtlos ist man nicht. „Die Nähe zu Gewässern sollte man möglichst meiden. Auch Regenfässer sind für Mücken ein einladender Platz, um ihre Eier abzulegen. Sie sollten daher abgedeckt werden“, rät Prof. Dr. Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Speyer und ergänzt: „Lange Kleidung tragen hilft, denn unbedeckte Hautstellen sind immer eine Einladung für Insekten.“