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Fünf Fragen zum Flehmen

Es sieht schon ein bisschen ulkig aus, wenn Pferde ihre Oberlippe zum Flehmen hochziehen. Doch hinter diesem Verhalten steckt ein ausgeklügeltes System.

Wenn ein Pferd flehmt, kann es Gerüche intensiver aufnehmen.

Warum flehmen Pferde überhaupt?

Pferde flehmen, um bestimmte Gerüche intensiv aufnehmen zu können. „Es geht dabei um spezifische Gerüche, die angeborenermaßen interessant sind, zum Beispiel der Geruch einer rossigen Stute. Aber auch andere, neue und unbekannte Gerüche werden so aufgenommen“, erklärt Pferdeverhaltensexpertin Dr. Willa Bohnet von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Auch bestimmte Geschmacksrichtungen – wie etwa ein Leckerli mit unbekanntem Geschmack – können Flehmen auslösen.

Was genau passiert beim Flehmen?

Flehmende Pferde strecken den Kopf sowohl nach vorne als auch in die Höhe, verschließen die Nüstern mit der Oberlippe und ziehen die Luft dann durch das Maul ein. So gelangt diese an den Einführgang für das Jacobsonsche Organ, einem speziellen Geruchsorgan, das sich im Dach der Maulhöhle befindet. Dr. Willa Bohnet erklärt: „Über dieses Organ kommen die Gerüche schneller und ohne Umwege zum limbischen System, das im Gehirn für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Dadurch entstehen bestimmte Verhaltensweisen. Von Bedeutung ist dies speziell beim Sexualverhalten.“ Im Gegensatz zum Flehmen werden beim einfachen Riechen durch die Nase Emotionen erst später freigesetzt, da die Information hier nur über Umwege, und damit langsamer, zum limbischen System gelangt.

Flehmen alle Pferde?

Beim Flehmen handelt es sich um ein angeborenes Verhalten, das ein Pferd nicht lernen muss. Auch Fohlen können flehmen. „Hengste und Wallache flehmen in der Regel häufiger als Stuten, und zwar um die Rosse einer Stute festzustellen“, erklärt die Expertin.

Was bedeutet das Flehmen, wenn Hengste es wiederholt einsetzen?

„Rossige Stuten geben sogenannte Pheromone, das sind tierartspezifische Geruchsstoffe, mit dem Urin ab“, sagt Bohnet. Über die Aufnahme dieser Stoffe durch das Flehmen kann der Hengst prüfen, ob die Stute empfängnisbereit ist und sein Verhalten entsprechend anpassen. „Allerdings kann er auf diese Art nicht feststellen, ob die Stute auch paarungswillig ist. Dies zeigt sich nur über ihr Verhalten dem Hengst gegenüber.“

Was kann Flehmen noch bedeuten?

Es gibt Pferde, die ihre Schmerzen oder ihr Unwohlsein über das Flehmen äußern – zum Beispiel bei einer Kolik. Allerdings ist dieses Verhalten nicht bei jedem Pferd ein Schmerzsignal. „Flehmt ein Pferd aber, ohne vorher etwas Besonderes geschnuppert zu haben – kommt das Flehmen sozusagen aus dem Nichts heraus – ist es meistens eine Art, Unwohlsein zu signalisieren“, schätzt Dr. Willa Bohnet ein. Die Gesamtsituation entscheidet, was das Flehmen bedeutet.