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Ausbildung

Die richtige Trainingsintensität im Winter

Früher pausierten Pferde im Winter. Die Ruhephase dauerte einige Wochen, manchmal Monate. Wie Top-Reiter ihre Pferde heute regenerieren lassen und was Amateure davon lernen können, lesen Sie bei uns.

Die Trainingsintensität hängt im Winter von vielen Faktoren ab. Wichtig: Abwechslung muss sein! Wie wär's mit einem Galopp im Schnee?

„Jedes Pferd und jeder Mensch benötigt eine Auszeit, um die Akkus aufzuladen“, meint Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke. Sie entscheidet individuell, wann welches Pferd eine Pause benötigt. Individuell muss eine Trainingspause auch nach Ansicht von Joachim Jung, Vater und Trainer von Michael Jung, gestaltet werden. „Bei uns im Stall gab es nie eine richtige Winterpause, bei der die Pferde monatelang keinen Sattel und keine Trense sehen. Vielmehr gibt es Turnierpausen, in der die Pferde weniger gearbeitet werden“, erklärt Joachim Jung. Nehmen wir als Beispiel Michael Jungs Erfolgspferd La Biosthetique Sam FBW, der mittlerweile in Rente ist: „Sam bekam regelmäßig eine Turnierpause. Sein Training wurde dann heruntergefahren, genau wie sein Futter. Das machen wir nach Gefühl und Schritt für Schritt. Bei einem Hochleistungssportler wie Sam musste das langsam gehen. Er wurde in dieser Zeit leicht gearbeitet, ging auf die Weide, aufs Laufband oder verbrachte seine freie Zeit auf dem Paddock“, gab Joachim Jung 2018 Einblick in das Training. Leichte Arbeit heißt im Stall Jung: Reiten im Gelände mit kleinen Hindernissen, Springen für die Gymnastizierung und lockere Dressurarbeit für die Durchlässigkeit. „Wichtig ist, dass es abwechslungsreich bleibt. Sam sollte Spaß haben und sich zu 100 Prozent regenerieren.“

Was Amateurpferde brauchen

Und wenn die Ziele nicht so hoch gesteckt sind? „Pferde, die auf A-Niveau laufen, sollten auch nicht jeden Tag dasselbe Programm abspulen müssen“, meint Reitmeister Hubertus Schmidt. „Sie haben eine geringere körperliche und mentale Fitness, so dass man auch mit ihnen nicht jeden Tag Lektionen üben sollte. Im Prinzip sollten Amateure genauso agieren wie Profis, also nach dem Turnier erst einmal vier bis fünf Tage Pause machen. Sprich ins Gelände gehen oder einfach mal locker auf dem Außenplatz galoppieren. Es ist wichtig, dass auch die Dressurpferde immer wieder etwas anderes sehen als die Reithalle. Natürlich können Freizeitpferde auch einmal einige Tage nur auf der Weide stehen, dann darf man in den Tagen danach aber auch keine sportlichen Glanzleistungen erwarten.“ Joachim Jung rät, nicht von einem Turnier zum nächsten zu hetzen. „Da ist die Gefahr, jedes Wochenende eine Prüfung reiten zu wollen, bei Amateuren vielleicht sogar größer als im Profistall, weil meist nicht so explizit auf ein Ereignis hingearbeitet wird. Da sollte man erst recht Pausen einplanen.“ Prinzipiell gilt seines Erachtens, dass sich kein Reiter darauf verlassen darf, dass jedes Training oder Turnier gleich gut gelingt. „Bis ein guter Reiter schöne Ergebnisse erzielen kann, hat er sich vielfältige Gedanken gemacht. Manchmal ist es da auch sinnvoll auf einen Start zu verzichten, wenn man merkt, dass das Pferd nicht so gut drauf ist“, so Jung. So bringt auch Ingrid Klimke auf den Punkt, wann eine Pause sinnvoll ist: „Man kann sich Zeitpunkte und Phasen vornehmen und die Saison planen. Wichtig ist es aber, dem Partner Pferd zuzuhören und auf die Signale zu achten. Wenn wir gut zuhören, dann müssen wir eben in manchen Situationen ganz individuell entscheiden.“

Einen Tag auf der Winterweide genießt jedes Pferd.

Die Faustregel

Manchen Pferden gönnt sie einen ganzen Monat reine Weidezeit. Entsprechend verlängert sich die Zeit des Muskel-, Kraft- und Koordinationsaufbaus. „Vier bis acht Wochen zur langsamen Trainingssteigerung müssen dann eingeplant werden. Die drei- und vierjährigen Pferde lasse ich aber auch gerne länger auf der Wiese.“ Individuell können die Weidemonate auch mit lockerer Arbeit kombiniert werden: „Regelmäßige Pausen, in denen die Pferde ausgiebigen Weidegang genießen und nur locker bewegt und geschmeidig gehalten werden, können beispielsweise bei vierjährigen Pferde gut sein, nachdem sie einige Turniererfahrungen gesammelt haben. Alternativ bietet eine Pause sich auch nach dem Championat Anfang September an, bis Anfang November dann die Winterarbeit startet, in der die Pferde neue Lektionen lernen und in ihrer Ausbildung einen Schritt nach vorne machen.“

Ihre Pferde entlässt Ingrid Klimke Schritt für Schritt in die verdiente Pause. Das heißt, dass das Training über ein bis zwei Wochen langsam reduziert wird. So kommt zu einem festen freien Tag pro Woche ein zweiter oder dritter hinzu. Wahlweise kann das Pferd zeitweise auch ausschließlich auf die Koppel gehen oder mit alternativem Training fit gehalten werden. Bodenarbeit, Training an Longe oder Doppellonge können auf dem Plan stehen. Oder im Fall von Ingrid Klimkes Hale Bob OLD Kinderreitstunden. Während des Unterrichts konnte der Europameister die Seele baumeln lassen. Erstaunlich für ein Pferd, das kurz zuvor noch zu Einzelgold bei den Europameisterschaften geholt hat, oder? Aber in erster Linie ein gutes Beispiel dafür, dass Pferde mit Abwechslung im Trainingsalltag und weniger intensiven Trainingsphasen bestens zurecht kommen. Vielmehr tun sie ihnen sogar richtig gut. Die Winterpause hat sich zwar verändert, unstrittig ist aber, dass sie die Pferde psychisch wie physisch entlastet. Um die Pferde auch im Training nicht zu überfordern, rät Schmidt: „Ich arbeite meine Pferde in der Regel nicht länger als 40 bis 45 Minuten, um sie motiviert zu halten. Vorher und hinterher gehen sie Schritt. Durch die relativ kurze Arbeitsphase sind sie stets hoch konzentriert.“

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„Eine Winterpause im traditionellen Sinne gibt es bei mir nicht mehr. Ich versuche aber schon, jedem Pferd einmal im Jahr eine längere Auszeit zu gönnen. Bei manchen Pferden fällt diese dann eher in die Hallensaison, bei anderen in die Sommermonate. Meines Erachtens sollte eine Pause mindestens zwei bis drei Monate dauern. So viel Zeit brauchen die Pferde, um sich physisch wie auch psychisch einmal von dem ganzen Turniertrubel zu erholen. Bei den Turnieren stresst sie meiner Erfahrung nach nicht das Springen, sondern vielmehr das Reisen und die unterschiedlichen Stallzelte, also das ganze Drumherum. Eine Pause sieht bei mir im Stall so aus, dass die Pferde weiterhin im gleichen Rhythmus gearbeitet werden, so dass sie ihre Fitness und Kondition weitestgehend erhalten. In dieser Zeit werden sie allerdings nicht gesprungen. Außerdem gehen sie mehr auf die Wiese und werden einfach relaxter geritten. So erholen sie sich sehr gut vom ganzen Turnierzirkus. Es ist eine Art aktive Regeneration, die meines Erachtens für die Leistungsbereitschaft eines Pferdes sehr, sehr gut ist. Niemand kann zwölf Monate im Jahr durchgehend Top-Leistungen bringen. Wie die Pause genau aussieht, variiert von Pferd zu Pferd aber noch ein wenig.“
Top-Springreiter Christian Ahlmann