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Antrainieren nach Verletzungspause - Mittel zur Beruhigung

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  • Antrainieren nach Verletzungspause - Mittel zur Beruhigung

    Hallo zusammen,

    ich habe mich fleißig durch diverse Forenbeiträge gelesen und einiges probiert, dennoch bin ich langsam mit meinem Latein am Ende. Vielleicht hat ja doch noch jemand den entscheidenen, kleinen Geheimtipp oder Erfahrungswert für uns.
    Kurz zum Hintergrund: Vor knapp 5 Monaten wurde bei meinem 3-jährigen Pferd eine Tendinitis festgestellt, sprich eine Überdehnung des Unterstützungsbands und eine aufgelockerte Sehne. Damit es nicht langweilig wird, gleich an beiden Vorderbeinen.
    Nun verheilt alles ganz wunderbar und nach Plan, die Kontrollultraschalle sind sehr zufriedenstellend. Aufgrund des rutschigen Bodens draußen und der klaren Empfehlung des TA, durfte er danach nur kontrolliert Schritt gehen.
    Futter: 3x täglich kleine Handvoll haferfreies Müsli, Heu zur freien Verfügung.

    Nachdem wir das erfolgreich überlebt haben, darf er nun antrainiert werden. Und da liegt die Herausforderung.
    Das Schrittführen war schon eine kniffelige Angelegenheit, der Jungspund weiß gar nicht wohin mit all der Energie. Das Reiten ist eher ein Selbstmordkommando – unabhängig welcher Reiter drauf sitzt.
    Es wird in die Luft gesprungen, Kapriolen geschlagen, gebockt und jedes noch so kleine Geräusch ist lebensbedrohlich. Dann gesellen sich noch die Frühlingsgefühle dazu und ich habe einen explosiven Vulkan, der keinen Gedanken daran verschwendet, seine Sehnen zu schonen.

    Wir haben es mit Sedierung versucht – und ja, bitte nicht steinigen... Ich weiß um die Nebenwirkungen, Risiken und auch um die Gefahr, wenn der Reiter gegen die Bande geschleudert wird und das Pferd stiften geht und sich wohlmöglich die Haxen bricht…
    Ich bin wirklich sehr bemüht und es ist mein Wunsch, etwas zu finden, was ihm nicht auf den Kreislauf schlägt bzw. ihm nicht schaden kann.
    Ich nehme ihm das Verhalten nicht übel, er ist jung und absolut nicht ausgelastet. Dennoch darf das Ganze nicht vollkommen gefährlich werden.
    Ich habe zuhauf von „Mitleidenden“ gelesen, die vor derselben Herausforderung stehen und deren Pferd sich identisch verhalten.
    Er soll wieder vermehrt an die Umweltreize gewöhnt werden. Es steht ein Stallwechsel an, vor dem Hintergrund „Pro Pferd“: Box mit Fenster, viel frischer Luft, individueller sichergestellter Betreuung, Paddock mit idealem Boden etc.

    Unsere Erfahrung bislang:
    - Relaquine, nicht nochmal! Beim ersten mal ist er auch 6 Std danach nicht richtig wach geworden. Die folgenden Male nach intensiver Abklärung und Beratung mit dem TA wirkte es absolut gar nicht, trotz sachgemäßer Anwendung und unterschiedlicher Dosierungsgabe zum testen.
    - Masterhorse Silence mit Baldrian, Hopfen und Melisse beruhigen keineswegs.
    - Baldriantropfen zeigen keinerlei Wirkung.
    - Equipur Tryptomag mit Magnesium und Tryptophan haben uns nur viel Geld gekostet, aber nichts genutzt.
    - Schüssler Salze zeigen keinerlei Wirkung.

    Gelesen habe ich von Viequo Calm positiv, Equistro Equiliser, Magnocalm/-quiet, St. Hippolyth Relax und anderen Mittelchen zum unterstützen. Was bei dem einen super anschlägt, hilft bei dem anderen gar nicht...

    Dennoch: Hat noch jemand irgendeinen Tipp für mich?
    Herzlichen Dank im Voraus!

  • #2
    Hallo erst mal....
    ich beneide Dich offen gesagt gerade nicht. Ich habe bei der aktuellen Wetterlage ohne Halle schon Probleme meine gesunden Pferde halbwegs vernünftig und gefahrenfrei zu bewegen, da möchte ich mir nicht vorstellen wie das mit einem Pferd ist, das sich noch etwas schonen soll.
    Ich verteufel Dich nicht wegen der Sedierung, auch wenn es grundsätzlich die letzte aller Möglichkeiten sein sollte (Sedalin würde mir dazu übrigens noch einfallen). Aber welche Alternative hast Du sonst noch? Die Zusatzfuttermittel (egal wie sie heißen) kannst Du wahrscheinlich alle vergessen, die Wirkung kannst Du Dir nicht mal einreden. Rescue Tropfen hast Du sicher schon probiert wenn Du von Bachblüten sprichst?

    Ansonsten fällt mir leider auch nichts ein. Longieren ist gerade contraproduktiv, das würde vermutlich in Salatschleudern enden und belastet die Sehnen ja generell zu sehr. Wie also willst Du dieses Pferd zu einer vernünftigen Zusammenarbeit bewegen? Er hat vermutlich gar keine Nerven, Dir zuzuhören, ohne sich mal richtig auszutoben. Du kannst im Grunde nur versuchen, den Schwung herauszunehmen, indem Du ihn kontinuirlich beschäftigst. Inwieweit Du hier Zirkel, Schlangenlinien und Volten einbauen darfst ist natürlich für den Außenstehenden schlecht abzuschätzen.

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    • #3
      Vielen lieben Dank für deine Antwort!

      Ich würde auch nur äußerst ungern nochmal den Weg der Sedierung probieren, aber alle verfügbaren Kräuter und Pülverchen wurden leider als erfolglos abgehakt.
      Laut meiner Info haben Relaquine, Sedalin und auch das Granulat Vetranquil alle denselben Wirkstoff Acepromazin. Da bei uns das Relaquine nicht zuverlässig gewirkt hat, bin ich hier recht kritisch.
      Auch hier habe ich oft gelesen, der eine schläft davon ein und taumelt, der andere feuert noch genauso schnell hinten aus.

      Volten und Schlangenlinien sind noch Tabu, im Idealfall große Linien. Aber das erkläre mal dem Jungspund der sich denkt, Jippieh, ab geht die Post... :-(

      Schüßler Salze hatte ich probiert. Aber das war komplett ohne Wirkung.
      Rescue tropfen sollen m.W.n. bei akuten Traumata helfen, bei schlimmen Erlebnissen. Zum Beruhigen eines Feuerstuhls jedoch nicht so geeignet sein.

      Ich habe das gefühl, egal welches Zusatzfuttermittel, egal welche Kräuter, das wird innerhalb von 10 Minuten verstoffwechselt.

      Leider habe ich wenig Erfahrung mit Bodenarbeit im Sinne von Equikinetic etc. An meinem jetzigen Stall beschäftigt sich da leider niemand mit, so dass ich auch keinen greifbar um Rat fragen könnte.

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      • #4
        Das Kraftfutter würde ich ganz weglassen, auch wenn es nicht viel ist. Und ansonsten auch das Heu zur freien Verfügung kürzen, bzw. so "verpacken", daß das Pferd deutlich weniger zu sich nimmt, obwohl es weiter relativ kontinuierlich fressen kann. Denn auch Heu zur freien Verfügung (Stehen und Fressen...) ist eigentlich entwicklungsgeschichtlich nicht gerechtfertigt. Sogar Tierärzte wissen (hinter vorgehaltener Hand), daß Pferde gesünder sind, wenn sie weniger wiegen als das, was heute als Standard gesetzt wird. Wenn Pferde abnehmen werden sie zuerst etwas "schärfer", weil sie an weniger Fressen noch nicht gewöhnt sind, so wie Menschen auf Diät. Dann werden sie ruhiger. So haben früher Pferdehändler unruhige Pferde ruhiger gemacht.
        "Man macht aus einem Esel kein Rennpferd,
        aber man macht auch aus einem Rennpferd keinen Esel!"
        (Heinz Jentzsch)

        http://pferde-ingwer.de.tl/

        Fiskarnir eru rólegir, nægjusamir og inn í sig
        og eru með eðlisávísun sem þeir geta reitt sig á.

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        • #5
          Danke für den Tipp! Der Gute ist nun tatsächlich ganz schön speckig geworden.
          Er hat ein großes Heunetz noch zusätzlich, damit er länger beschäftigt ist und es nicht ausschließlich frei wegfressen kann, wie ein Mähdrescher.
          Und der Speck auf den Rippen ist ja auch nicht so gut für die Beine....
          Wir stellen gerade langsam das Futter um auf Eggersmann Struktur E, Hafer- und Getreidefrei. Am neuen Stall wird er das bekommen. Ich denke, das hilft auch noch etwas.

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          • #6
            Hallo Ponymama,ich fühle mit Dir - musste auch mal einen Sehnenschaden-Patienten wieder ans Laufen kriegen. Nur für mein Verständnis - war Dein jetzt 3jähriger bereits vor der Verletzung angeritten (also schon mit 2,5 Jahren?) oder warum ist das ausgerechnet direkt nach der langen Stehpause Euer Plan? Kann er denn momentan überhaupt nicht raus (abgetrennter Paddock o.ä.)? Er ist doch noch so jung, warum überbrückst Du nicht die aktuell "ungünstige" Jahreszeit mit Arbeit vom Boden und wartest mit dem (An-)Reiten bis zu Eurem Stallwechsel (mehr Auslauf?)? LG

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            • #7
              Hallo Vico,
              lieben Dank für das Mitgefühl! :-)

              Er war letztes Jahr zum Zeitpunkt der Verletzung 3, ist also jetzt 4.
              Als der TA die Diagnose gestellt hat, war mein erster Gedanke auch, ihn auf einem abgetrennten Koppelstück noch ein bisschen Freiheit zu gönnen. Leider war das auf dem Hof nicht möglich und die Paddocks vom Boden zu tief und rutschig - also genau das, was zu dem Zeitpunkt zu gefährlich war.
              Eine Paddockbox war ebenfalls nicht möglich :-(

              Nun hat er noch eine Woche in diesem Stall. Auf dem neuen Hof gibt es ideale Paddocks mit Paddockgitter drunter, so dass der Boden ideal für ihn ist. Er steht dann auf einem Einzelpaddock direkt neben den anderen Wallachen, zum angewöhnen. Hat also Schnupper- und Knabberkontakt, aber die Knochen aller Beteiligten bleiben heile. So der Plan. :-)
              Ich sehe das genau so wie du. Das Reiten werde ich auch erst im neuen Stall wieder in Angriff nehmen. In der Hoffnung, dass er nach der Eingewöhnung und den - endlich wieder - Kontakt zu seinen Artgenossen und den Paddockauslauf auch vom Kopf her etwas entspannter ist.
              Momentan ist das ein nervöser Hibbelkopf...

              Hast Du Tipps für mich, was die Bodenarbeit angeht?
              Wie hast du deinen Sehnenschaden-Patienten beruhigt bekommen?

              Lieben Dank!

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              • #8
                Mein TA verfolgte damals einen anderen Therapieansatz. Von monatelanger, totaler Boxenruhe mit minutenweise Schritt führen hielt er nichts. Mein Wallach kam von Anfang an tagsüber auf einen kleinen, ebenen Paddock und durfte dann bald schon täglich (langsam steigernd) 5-10 Minuten Schritt in der FA mitlaufen. Somit war er abends wenn ich zum Schritt führen kam nicht so geladen, wie z.B. nach 23 Stunden Boxenruhe.
                Ich hatte das Glück, zum Ende der Führ-Phase diese weichen Dual-Gassen von Geitner für ein wenig Bodenarbeit im Schritt nutzen zu können. Man kann sich da ganz nette Kombinationen legen. Das war für ihn interessanter als nur neben mir her zu schlappen...Wäre vielleicht auch eine Idee für Dich?
                Evtl. hast Du ja auch im neuen Stall die Möglichkeit, Dein Pferd auf dem Reitplatz oder in der Halle vor dem Aufsteigen kurz an die Longe zu hängen (2 - 3 Runden ganze Bahn im Trab). Besser er macht die Bocksprünge an der Longe als mit Reiter im Sattel....

                LG Vico

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                • #9
                  Hallo Vico!

                  oh ja, hinterher ist man immer schlauer Ich würde es jetzt rückblickend auch wirklich anders machen. Komplette Boxenruhe mit 30 - 60 Minuten Schritt führen mögen für die Regenration der Sehnen sein. Aber für das Gemüt des jungen Pferdes leider Horror...
                  Leider gab es auf dem Hof nicht die Möglichkeit einer Paddockbox oder eines abgetrennten Wiesenbereichs. Die normalen Paddocks sind bodentechnisch nicht gut, tief und rutschig.
                  Leider habe ich keine Erfahrung mit den Dualgassen, und auch hier noch nicht die Möglichkeit es auszutesten. Das wäre am neuen Stall natürlich toll, würde sich da noch jemand neben mir dafür interessieren.
                  Ihn vor dem aufsitzen an die Longe zu nehmen, haben wir versucht. Er springt in die Luft wie eine Kanone und lässt ordentlich die Sau raus. Entspannter ist er anschließend leider gar nicht. Noch immer ist jedes Blatt und jeder Luftpartikel hochgefährlich... :-(

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                  • #10
                    Oha! Gefährliche Luftpartikel oder Geräusche wie öffnende Klettverschlüsse kennen wir auch noch...Dein Kleiner braucht dringend Stimulation durch Umweltreize, und zwar nicht unbedingt, wenn jemand im Sattel sitzt. Hast Du im neuen Stall evtl. jemanden, der Dir mit einem "Gelassenheitstraining" zur Seite stehen kann? Hier wird das Pferd mit Plastikplanen, Flatterbändern, Regenschirmen, Luftballons etc. in Kontakt gebracht. Am Besten übt sich sowas für den Anfang in ruhiger Pferdegesellschaft und mit einem kompetenten Bodenarbeitstrainer. Google doch mal nach Kursen oder Trainern in Deiner Nähe. Oft arbeiten diese Trainer Parelli-orientiert, was Dir für Deine zukünftige Arbeit am Boden sehr nützlich sein kann.

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                    • #11
                      Das war auch mein Gedanke. Da ja keinerlei Beruhigungsmittelchen anschlagen und mein Pferd in der aktuellen Box leider so gar keinen Umweltreizen ausgesetzt ist, war dies ein weiteres Pro-Argument für den Stallwechsel. Dort kriegt er dann eine Fensterbox und darf aufs Paddock. Immerhin schon ein klein wenig besser.... Die Idee mit dem Kurs finde ich prima, da werde ich mich direkt mal schlau machen! Vielen Dank!

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                      • #12
                        Originally posted by vico#001 View Post
                        Oha! Gefährliche Luftpartikel oder Geräusche wie öffnende Klettverschlüsse kennen wir auch noch...Dein Kleiner braucht dringend Stimulation durch Umweltreize, und zwar nicht unbedingt, wenn jemand im Sattel sitzt. Hast Du im neuen Stall evtl. jemanden, der Dir mit einem "Gelassenheitstraining" zur Seite stehen kann? Hier wird das Pferd mit Plastikplanen, Flatterbändern, Regenschirmen, Luftballons etc. in Kontakt gebracht. Am Besten übt sich sowas für den Anfang in ruhiger Pferdegesellschaft und mit einem kompetenten Bodenarbeitstrainer. Google doch mal nach Kursen oder Trainern in Deiner Nähe. Oft arbeiten diese Trainer Parelli-orientiert, was Dir für Deine zukünftige Arbeit am Boden sehr nützlich sein kann.
                        Ja, aber doch btte nht jetzt, wenn das Pferd unter Strom ist udn Rumhüpfen nciht so wirklich angesagt.

                        Meine Stute ist normal die Gelassenheit in Person, darf aber seit ein paar Tagen nur Schritt gehen. Die hat gestern Panikattacken bekommen, weil hinter dem anderen Ende der Reithalle ein Dina4-Zettel flatterte. Also ca. 45 Meter weg und nicht einmal direct neben der Bande. Ich habe gut 10 Minuten gebraucht um überhaupt herauszufinden, was da sp gruselig ist ...

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                        • #13
                          Was soll den mit dem Pferd überhaupt mal gemacht werden, wofür war es "gedacht"? Es ist ja noch so sehr jung, da kann es doch noch mind. 1 Jahr auf die Weide und sich dort erholen von Haltung und Beinschaden. Anscheinend wurde doch festgestellt, dass die Sehnenstruktur nicht stark genug ist, das Pferd ist ja nicht mal ausgewachsen. Die Situation wird sich ohne ausreichende Bewegung auch nicht dauerhaft verbessern. Dann ist auch keine Sportkarriere, wie klein auch immer, denkbar, also kann man ihn ja gleich auf die Weide lassen.

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