Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Leseprobe August-Ausgabe 2020

Schluss mit Rückenschmerzen

Wenn es im Rücken zwickt, geht nichts mehr. Viele Pferde mit Kissing Spines kämpfen mit wiederkehrenden Schmerzen. Die Spitzen ihrer Dornfortsätze berühren sich. Knochen auf Knochen – das tut weh. Mit einem Schnitt kann der Entzündungsprozess gestoppt werden.

Pferde mit Kissing Spines können weiterhin erfolgreich im Sport laufen. Es kommt auf das Management an.

Wenn Knochen auf Knochen stößt, schmerzt es – besonders mit zusätzlichem Gewicht. So kann es Pferden mit Kissing Spines ergehen. Die Betonung liegt hier auf „kann“. Denn per se müssen Kissing Spines keine Schmerzen auslösen. „Erst einmal sind sie nur ein Röntgenbefund“, betont Florian Hörmann, Fachtierarzt für Pferde aus Weilheim in Bayern. Etwa 20 bis 30 Prozent aller Pferde haben Kissing Spines. „Davon sind wiederum vielleicht fünf Prozent nicht reitbar“, fährt der Veterinär fort.

Kissing Spines sind die Hauptursache für Rückenschmerzen

Festzuhalten ist allerdings, dass Kissing Spines die Hauptursache für Rückenschmerzen beim Pferd sind. Florian Hörmann ist aber wichtig, herauszustellen, dass der Befund nicht mit Schmerzen gleichzusetzen ist: „Wenn ich bei einem Dreijährigen Kissing Spines auf dem Röntgenbild sehe, kann ich nicht vorhersagen, wie das Pferd sich entwickeln wird. Es hängt auch davon ab, wie das Pferd reiterlich gearbeitet wird.“

Denn gutes Reiten kräftigt die Rückenmuskulatur. Falsches Reiten kann das Problem hingegen verschärfen. Was genau damit gemeint ist? „Das Reiten mit weggedrücktem Rücken, in zu hoher Aufrichtung, nicht vorwärts-abwärts zu reiten – das sind alles Dinge, die dem Rücken schaden. Wenn alle Reiter sich an die Skala der Ausbildung halten würden, hätten wir sicherlich weniger Probleme“, meint Hörmann. In guten Unterricht zu investieren, lohnt sich daher auch zur Gesunderhaltung des Pferdes.

Anzeichen für Kissing Spines

Doch bei welchen Alarmzeichen sollte der Reiter überhaupt an Kissing Spines denken? „Wenn das Pferd beim Putzen den Rücken wegdrückt und es als unangenehm empfindet, am Rücken angefasst zu werden, muss der Reiter Kissing Spines in Erwägung ziehen“, betont Florian Hörmann. Als Reiter sollte man sensibel für die kleinsten Abwehrreaktionen des Pferdes sein. Schweifschlagen, Schnappen oder auch ein kurzes Zucken gehören da definitiv dazu. Auch Pferde mit Gurtzwang, mit schwachen Rückenmuskeln, Pferde die den Galopp nicht halten können, den Rücken festhalten oder wegdrücken, zeigen typische Signale für Kissing Spines. „Gerade bei nicht vorhandener Rückenmuskulatur müssen Alarmglocken schrillen. Denn auch junge Pferde, die aus einer normalen Haltung kommen, haben ausreichend Rückenmuskeln“, versichert der Tierarzt.

Um festzustellen, ob das Pferd wirklich Kissing Spines hat, ist ein Röntgenbefund erforderlich. Eine gründliche Anamnese ist vorab aber Pflicht. Sprich: der Tierarzt sollte sich das Problem schildern lassen, das Pferd anschauen, es sich vorführen, longieren oder reiten lassen, um ausschließen zu können, dass Sattel oder Reiter für die Schmerzen verantwortlich sind.

Unbekannte Ursache

Beim Verdacht auf Kissing Spines kann man das Pferd für die weitere Untersuchung lokal anästhesieren. „Bei einer lokalen Betäubung hat man in der Regel eine deutliche Verbesserung, weil dem Pferd der Schmerz genommen wird. So kann man sich sicher sein, dass es am Rücken liegt“, erläutert Florian Hörmann. Kissing Spines, die sich küssenden Dornfortsätze, können einzeln, aber auch gehäuft auftreten. Besonders oft in der Sattellage, also zwischen dem zwölften und 18. Brustwirbel. Wie sie entstehen, ist selbst Medizinern nach wie vor ein Rätsel. Sicher ist nur, dass Pferde auch schon vor Jahrtausenden an Kissing Spines litten. „Die Theorie, dass sie nur durch das Reiten entstehen, ist damit widerlegt“, betont Florian Hörmann. Der Fachtierarzt für Pferde wendet eine minimalinvasive Operationstechnik an, um den Entzündungsprozess im Rücken zu unterbinden. Ein Schnitt und das Pferd könne schmerzfrei sein, betont der Veterinär.

Wie die Operationstechnik genau aussieht, lesen Sie in unserer August-Ausgabe, die sie bequem und versandkostenfrei online bestellen können. Zum Heft