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Müssen Hengst- und Wolfzähne gezogen werden?

Sie sind klein, manchmal spitz und können in einigen Fällen Probleme machen: Hengst- und Wolfzähne im Pferdemaul. Wo der Unterschied liegt und wann man sie ziehen lassen sollte, erklärt Tierärztin Jana Zedelius.

Die Hengstzähne liegen etwa ein bis drei Zentimeter hinter den Schneidezähnen des Pferdes, die Wolfzähne vor den ersten Backenzähnen.

Münster – Zunächst macht Jana Zedelius den Unterschied zwischen Hengst- und Wolfszahn klar: "Die Hengstzähne kommen beim männlichen Tier immer vor, das sind die Canini, die Kampfzähne. Sie sitzen ein bis drei Zentimeter hinter den Schneidezähnen, in der Lücke zwischen Schneide- und Backenzähnen", erklärt die Tierärztin, die sich auf Zahnheilkunde bei Pferden spezialisiert hat. Die Hengstzähne müssen in der Regel nicht entfernt werden. Einfach, weil sie beim Reiten nicht im Weg sind. Hin und wieder kann es sein, dass der Pferdezahnarzt sie ein bisschen abrunden muss.

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Bei den Wolfszähnen hingegen handelt es sich um ein Überbleibsel der Evolution: "Das ist ein rudimentärer kleiner Backenzahn, der sich im Laufe der Evolution zurückgebildet hat und nun ein kleines Zahnrudiment ist. Diese Zähne machen deshalb Probleme, weil sie so klein sind. Sie sind ein, höchstens zwei Zentimeter lang und sitzen direkt in der Gebisslage vor den ersten Backenzähnen." Drückt ein Trensengebiss auf diesen Zahn, kann das sehr unangenehm für das Pferd sein. Wehrt es sich unter seinem Reiter gegen die Zügelhilfen oder mag nicht an das Gebiss herantreten, können die Wolfzähne eine mögliche Ursache sein.

Wie viele Wolfszähne ein Pferd hat, ist unterschiedlich, wie die Tierärztin erklärt: "Die unteren Wolfzähne fallen in der Regel mit dem ersten Zahnwechsel aus, sie gehören genetisch zu den Milchzähnen. Die obersten Wolfszähne sind hingegen häufig noch da, manchmal auch nur einer."

Weil die Wolfzähne aufgrund ihrer Lage im Pferdemaul beim Reiten Probleme machen können, empfiehlt Jana Zedelius, sie zu ziehen, sobald das junge Pferd angeritten wird und ein Trensengebiss ins Maul bekommt. "Das ist ein einfacher Routineeingriff", beruhigt sie. "Dazu gehört eine Lokalanästhesie um den Zahn herum. Diesen schält man dann vorsichtig heraus, klopf ihn mit einem kleinen Hammer frei und zieht ihn dann. Das geht ganz schnell, kann bei der routinemäßigen Zahnbehandlung einfach mitgemacht werden und sollte für jedes Reitpferd durchgeführt werden.

Diese Frage hat Jana Zedelius in unserem Format #fragdenprofi in unserer Instagram-Story am 17. Juli 2020 beantwortet.
Jana Zedelius ist Tierärztin und hat sich auf Zahnheilkunde bei Pferden spezialisiert. In Hamburg führt sie eine eigene Praxis für Pferdezahnheilkunde.
www.pferdezahnarzt-nord.de