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Interview

Inhalationstherapie: Dampf den Bronchien

Die Atemwege zu bedampfen gilt als eine der wichtigsten Behandlungsmethoden bei Pferden mit chronisch-obstruktiver Bronchitis. Was es bei der Inhalation alles zu berücksichtigen gibt, darüber haben wir mit Tierärztin Dr. Beatrice Lehmann gesprochen.

Worin liegt der Vorteil der Inhalationstherapie?

Der Vorteil ist, dass sie lokal wirkt, also eine hohe Medikamentenkonzentration im betroffenen Gewebe ankommt. Man benötigt eine geringere Dosis, erzielt schneller eine Wirkung und das Risiko für das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen lässt sich minimieren. Aber auch bei der Inhalation einer Salzlösung hat man positive Effekte und zwar bei allen Atemwegserkrankungen, bei denen eine Verflüssigung des Schleims (Sekretolyse) angestrebt wird.

Was wird inhaliert?

Als Therapeutika bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis werden Bronchienweitsteller und Glukokortikoide in Form von Dosieraerosolen oder Fertiginhalaten verwendet. Allerdings gibt es für die Anwendung beim Pferd keine zugelassenen Inhalationslösungen. Deshalb müssen Tierärzte umgewidmete, humanmedizinische Präparate verwenden. Nach dem Arzneimittelrecht muss dafür ein Therapienotstand (zum Beispiel ein mangelhaftes Ansprechen auf eine systemische Glukokortikoidgabe oder das Auftreten von Nebenwirkungen bei systemischer Gabe) vorliegen, um Glukokortikoide überhaupt inhalativ einsetzen zu dürfen.

Was halten Sie von der Inhalation ätherischer Öle?

Ich wäre vorsichtig, weil wir vorher nie wissen, ob das Pferd nicht allergisch auf die Inhaltsstoffe des ätherischen Öls reagiert.

Gibt es Risiken bei der Inhalationstherapie?

Die inhalative Anwendung von Medikamenten ist aufgrund der geringen systemischen Wirkung sehr sicher. Natürlich muss der Inhalator nach Anweisungen des Herstellers desinfiziert und regelmäßig gewartet werden. Und: Es gibt auch für die inhalative Therapie Karenzzeiten, die bei Turnierpferden unbedingt beachtet werden müssen. Diese Karenzzeiten liegen jedoch deutlich unter den Karenzzeiten im Rahmen einer oralen Verabreichung der entsprechenden Medikamente. Man sollte unbedingt immer vorher auf der Homepage der Deutschen Reiterlichen Vereinigung den aktuellen Stand der Karenzzeiten prüfen. Der Tierarzt muss den Pferdebesitzer bei einer längeren Anwendung von Medikamenten beraten, da die Karenzzeiten nur für die einmalige Anwendung gelten.

Welche Inhalationssysteme sind wirklich empfehlenswert und warum?

Bei den Inhalationssystemen unterscheidet man Vernebler zur Feuchtinhalation, wie Düsen- und Ultraschallvernebler, und Dosieraerosole sowie Trockenpulverinhalatoren. Um eine Wirkung in den tiefen Atemwegen entfalten zu können, müssen die zur Inhalation verwendeten Partikel eine Größe von ein bis fünf Mikrometer aufweisen. Kleinere Partikel, unter 0,5 Mikrometer würden wieder ausgeatmet werden und größere, über fünf Mikrometer schlagen sich in den oberen Atemwegen nieder.

Ein Vorteil des Ultraschallverneblers ist, dass der Pferdebesitzer in den beschwerdefreien Intervallen das Pferd zusätzlich mit Salzlösungen inhalieren lassen kann.

Im Internet gibt es kreative Vorschläge, wie man sich selbst einen Inhalator baut – taugen die etwas?

Durch die selbstgebauten Inhalatoren erreicht man nicht die Partikelgröße, damit der Wirkstoff in der Lunge ankommt. Wenn man nur eine Salzlösung vernebeln und die Atemwege anfeuchten möchte, kann man das machen. Aber wenn ich mich für eine recht teure Therapie mit umgewidmeten Medikamenten entscheide, dann sollte ich einen Inhalator verwenden, bei dem ich mir sicher sein kann, dass die Medikamente die Lunge erreichen.

Könnte man auch ein Gerät aus der Humanmedizin verwenden?

Was nichts bringt, ist einen Inhalator für Menschen vor die Nüster zu halten. Was man aber machen kann, wäre diese Inhalatoren mit einer Art „Adapter“ zu verbinden. Optimal ist es nicht, weil man so ein weiteres Gerät davorschaltet, aber zumindest schließt es luftdicht mit der Nüster ab.

Wie inhaliert man richtig – welche Fehler werden hier häufig gemacht?

Ganz wichtig ist, dass das Inhalationssystem vollkommen dicht ist und mit einer oder beiden Nüstern komplett abschließt, damit die Wirkstoffe nicht verloren gehen. Bei der Anwendung von Dosieraerosolen kommt es darauf an, dass die einzelnen Hübe nicht zu kurz hintereinander ausgelöst werden. Das Pferd muss vor dem Auslösen eines neuen Hubs das Inhalat in der Luftkammer vollständig eingeatmet haben. Die Hübe sollten immer zu Beginn der Einatmungsphase ausgelöst werden.

Unabhängig von der Art des Geräts, sollte das Pferd während der Therapie möglichst tief und langsam atmen. Es gibt selten Pferde, die sich wehren oder aufregen, bei denen kann anfangs eine Inhalation in Bewegung sinnvoll sein. Meine Erfahrung ist aber, dass es die meisten Pferde gerne mögen und sich entspannen.