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Hufpflege im Winter

Wie pflege ich im Winter die Hufe meines Pferdes am besten? Wie bleiben die Eisen trotz feuchter Witterung am Huf? Wir haben Ihnen die sechs wichtigsten Tipps mit Hilfe von Hufschmieden zusammengestellt.

Im Winter gibt's in Sachen Hufpflege ein paar Dinge zu beachten.

„Grundsätzlich sorgen zwei Komponenten dafür, dass sich ein Pferd das Eisen zieht“, erklärt Hans-Peter Remler vom Landgestüt Schwaiganger. Der Leiter der dort ansässigen Hufbeschlagsschule kennt sich mit verlorenen Eisen aus. „Zum einen sorgt der schlammige Untergrund für eine Sogwirkung am Eisen, zum anderen wird zwar die heutige Beschlagtechnik dem Huf eher gerecht, bietet aber durch weit gelegte Eisen und der Befestigung mit nur sechs Nägeln ein wenig die Vorbedingung für den vorzeitigen Verlust von Eisen.“ Läuft das Pferd im matschigen Untergrund und kann sich nicht gut koordiniert bewegen, tritt es sich schnell ein Eisen ab. Deshalb sollten Sie als Halter vorsorgen!

1. Beschlagzyklus variieren

Im Idealfall sollten in der kalten Jahreszeit die Eisen runter, meint Hufbeschlagschmied Uwe Lukas aus Warendorf. „Der Huf kann sich erholen, Schnee und Matsch klumpen nicht und stollen nicht auf.“ Kann nicht auf Hufschutz verzichtet werden oder tritt sich der Vierbeiner häufiger ein Eisen ab, sollten Pferdehalter dafür sorgen, dass die Abstände zwischen den Beschlagterminen klein bleiben. Im Sommer wird meist öfter beschlagen als im Winter. Der Huf wächst schneller, der Schmied muss häufiger kommen. Im Winter läuft der Stoffwechsel langsamer, der Huf wächst nicht mehr so schnell. Für „Eisen-Abtreter“ gilt es, den Schmied trotzdem in kleinen Intervallen zu bestellen oder mit ihm nach individuellen Lösungen zu suchen: „Manchmal hilft es, die Eisen etwas enger zu legen“, sagt Hans-Peter Remler. Dabei sollte jedoch immer die Hufgesundheit im Vordergrund stehen, mahnt Uwe Lukas: „Lieber ein Mal häufiger ein Eisen neu aufnageln, als ständig zu kleine Eisen wählen.“

2. Weniger Fett

Je häufiger das Pferd auf nassem Untergrund steht, desto unnötiger sind Pflegemittel, die sich von selbst abwaschen. „Hufe sollte man im Winter nicht zu häufig fetten, denn sonst kann keine Feuchtigkeit mehr in den Huf ziehen“, sagt Uwe Lukas. Er rät dazu, das Horn mit einem Huf-Balsam einzupinseln. Gute Erfahrungen hätten seine Kunden auch mit einem Universal-Sprüh-Öl aus der Dose gemacht, das desinfizierend wirke und aus hochwertigem reinen Weißöl bestehe.

3. Glocken anlegen

Bei Pferden, die sich die Eisen oft auf der Koppel abziehen, können manchmal Hufglocken helfen, rät Tierarzt Hans-Peter Remler: „Sie können einen Schutz vor Tritten bieten und erschweren das Abtreten der Hufeisen an den Vorderbeinen.“ Wichtig beim Anlegen der Hufglocken: „Das Material darf nicht am Kronrand oder in der Fesselbeuge scheuern. Dieser Hufschutz nützt generell nur, wenn der Boden nicht zu tief ist“, ergänzt Hufschmied Uwe Lukas.

4. Zwei-Minuten-Pflege

„Wenn das Pferd auch im Winter raus darf, sollte man bereits vor dem Weide- oder Paddockgang die Hufe auskratzen“, mahnt Uwe Lukas. „Der normale Erdboden enthält keine Fäulniskeime, erst der Mist im Huf in Kombination mit dem Erdboden sorgt für einen optimalen Nährboden für die Bakterien.“ Ist der Huf nach dem Weidegang mit Schlamm überzogen, rät Lukas unbedingt zur gründlichen Reinigung: „Mit dem Hufkratzer vorreinigen, dann mit einer Wurzelbürste und einem Eimer klaren Wasser die Hufe abschrubben.“ Der sorgfältige Waschprozess dient auch der Gesundheitsvorsorge, erklärt Pferde-Fachtierarzt Hans-Peter Remler: „Diese zwei Minuten zum Waschen sollte man unbedingt investieren, um zu sehen, ob der Huf generell in Ordnung ist.“

5. Trockener Auslauf

Unbedingt auf eine gute Paddock- und Koppelhygiene achten, Weiden abschleppen und zum Beispiel mit extra Sand für trockene Böden sorgen! Das ist Hans-Peter Remlers Tipp. Gerade die Exkremente in Kombination mit feuchtem Schlamm laugen das eiweißhaltige Hufhorn aus.

6. Zusatzfutter fürs Horn?

„Grundsätzlich gibt es kein Zusatzfuttermittel, das das Hornwachstum anregt“, erklärt Hufbeschlagschmied Uwe Lukas. „Ich kann mit einem Zusatzfuttermittel nur die Hufstruktur verändern.“ Für einen gesunden Huf, der etwa ein Zentimeter pro Monat wächst, benötigt man deshalb kein Spezialfuttermittel. „Das Horn-Wachstum wird durch Durchblutung und Bewegung der Pferde angeregt“, so Lukas. Nur bestimmte Hufsalben, die bei starken Rissen oder Spalten am Kronrand eingesetzt werden, können für besseres Hufwachstum sorgen. „Mit einem Zusatzfuttermittel, das Biotin und Zink enthält, kann ich bei Problemhufen grundsätzlich nichts falsch machen“, sagt Tierarzt Hans-Peter Remler. Beim Verwenden von mehreren Zusatzfuttermitteln können Wechselwirkungen auftreten. Deshalb vor dem Füttern unbedingt den Tierarzt fragen!

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