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Leseprobe aus unserer Mai-Ausgabe

Die Risiken von Longier-Unfällen

Stellen Sie sich vor, Ihr Pferd verletzt sich beim Longieren so schwer, dass es eingeschläfert werden muss. So geschehen bei zwei Top-Springpferden. Wo die größten Verletzungsgefahren an der Longe lauern und wie man ihnen entgegenwirken kann.

Unkontrolliertes Toben an der Longe ist oft schwer zu unter- binden. Daher sollten die Steigbügel fixiert sein.

Ein bisschen bewegen an der Longe, vielleicht ein bisschen ausbocken. Abwechslung im Trainingsalltag. Und dann verletzt sich das Pferd so schwer, dass es eingeschläfert werden muss. So geschehen im März. Das 13-jährige ChampionatsSpringpferd Cold Play des schwedischen Nationenpreisreiters Fredrik Jönsson landete nach einem Bocksprung unglücklich und stand nur noch auf drei Beinen. Wie der schwedische Verband in einer Pressemitteilung bekannt gab, röntgte der Tierarzt das Bein, doch die Diagnose habe leider keine andere Möglichkeit gelassen, als den Wallach einzuschläfern.

Nur wenige Tage später verlor Springreiter Enno Klaphake seinen 16-jährigen Oldenburger Urus auf die gleiche Weise. „Ich war gar nicht dabei“, erzählte Klaphake gegenüber dem Online-Portal spring-reiter.de. „Er hat sich wohl erschrocken, hat losgebockt und dann hat man schon registriert, dass sich das nicht gut anhörte.“ Der Schimmel-Wallach, mit dem Klaphake viele internationale Erfolge feiern konnte, wurde vom Tierarzt untersucht. „Der Arzt hat da gleich gesagt, selbst wenn wir das hinbekommen, die Chancen für eine Rückkehr in den Sport sind äußerst gering“, berichtete Klaphake weiter. Urus wurde in die Klinik gebracht und operiert. Zunächst habe es auch gut ausgesehen, „aber dann ging es bergab“, so Klaphake. Der Canturo-Sohn musste erlöst werden. Die genauen Diagnosen beider Pferde wurden nicht bekannt gegeben.

Der Fachtierarzt für Pferde und Leiter der Pferdeklinik Seeburg, Dr. Andreas Faulstich, vermutet, dass es sich um Frakturen im unteren Gliedmaßenbereich gehandelt haben könnte. Häufig betroffen ist das Fesselbein. Grund ist der ungünstige Bau des Fesselgelenks: „Der Gelenkkopf des Röhrbeins hat in der Mitte einen von vorne nach hinten verlaufenden Kamm. Dieser passt genau in die Rinne der Gelenkpfanne des Fesselbeins. Bei Streckung und Beugung des Fesselgelenks gleitet dieser Kamm problemlos in der Rinne“, erklärt Faulstich. „Macht das Pferd aber eine scharfe Wendung oder tritt schräg auf, kann es passieren, dass sich die Gelenkflächen verkanten. Der Kamm drückt dann wie ein Keil auf die Gelenkfläche des Fesselbeins und sprengt dieses auseinander. Gerade bei engen Wendungen und abrupten Richtungswechseln wirken starke Scherkräfte. Das Röhrbein dreht sich dann schneller als das Fesselbein, wird aus dessen Rinne gehebelt und wirkt dann wie eine Brechstange auf das Fesselbein“, veranschaulicht der Spezialist für Orthopädie und Lahmheitsdiagnostik.

Welche Verletzungen beim Longieren am häufigsten passieren und wie Sie die Risiken von Unfällen an der Longe aktiv senken können, lesen Sie in der Mai-Ausgabe der Reiter Revue. Das Heft können Sie hier versandkostenfrei bestellen.