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Das brauchen Pferde bei Hitze

Der Sommer ist im Anmarsch! Sonne satt, heiße Temperaturen, Schwüle – was bedeutet das für unsere Pferde? Die sechs wichtigsten Hitze-Fakten und Spielregeln, damit Ihr Pferd einen kühlen Kopf behält.

Schattige Plätze sind auf der Weide ein Muss. In der prallen Sonne können sie gesundheitliche Probleme bekommen.

Der Sommer ist im Anmarsch. Und das bedeutet: Es wird heiß! Nur wie kommen eigentlich unsere Pferde mit den hohen Temperaturen klar? Wie wirken sich Hitze, Luftfeuchtigkeit und Wetterschwankungen aus? „Prinzipiell haben Pferde keine Probleme mit sommerlichen Temperaturen“, sagt Dr. Anja Kasparek von der Pferdeklinik Aschheim bei München. „Es gibt Pferde, die in wesentlich heißeren Ländern leben. Je nach Pferderasse gibt es sicherlich Unterschiede. Auch ältere Pferde reagieren empfindlicher, jüngeren Pferden sollte die Hitze nichts ausmachen.“ Was Sie als Pferdebesitzer dennoch jetzt beachten sollten:

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1. Schatten spenden

„Stehen die Pferde ohne Sonnenschutz in der prallen Sonne, können sie durchaus gesundheitliche Probleme bekommen“, sagt Dr. Kasparek. Krampfkoliken oder Kreislaufprobleme treten bei starker Hitze und besonders bei starken Temperaturschwankungen häufiger in der tierärztlichen Praxis auf.Während sich unsereins einen Sonnenschirm aufspannt, sollte es auch für das Pferd immer einen Schattenplatz auf der Weide geben. „Viele Stallbesitzer reagieren und lassen die Pferde bei heißem Wetter nachts auf die Koppel. Das ist ein guter Ansatz, weil die Pferde zum einen weniger von Insekten belästigt werden und außerdem die nächtlichen Temperaturen besser vertragen.“

2. Wasser wechseln

Beim Thema Wasser im Sommer, kann sich Tierärztin Kasparek ein Aufstöhnen nicht verkneifen. Weil es in manchen Ställen zur Streitfrage wird – die einen schludern, die anderen sind päpstlicher als der Papst. Dr. Kasparek warnt vor Hysterie ums Wasser. „Ja, die Pferde sollten bei heißen Temperaturen immer die Möglichkeit haben zu trinken“, sagt sie, „aber sie sind durchaus in der Lage, ein paar Stunden ohne Wasser zu sein. Das sind sie in der Steppe ja auch.“ Für die Tierärztin ist es viel entscheidender, dass das Wasser sauber ist! „Bevor man unzählige 30-Liter-Bottiche aufstellt, die kein Mensch sauber macht, sollte man lieber einen sauberen Eimer hinstellen und bei Bedarf nachfüllen.“

3. Sonnenschutz

Manche Pferde neigen zu Sonnenbrand, Schimmel beispielsweise, oder Pferde mit großen weißen Abzeichen. Insbesondere, wenn die Haut unter dem hellen Fell nicht pigmentiert, also rosa ist. „Man kann die betroffenen Stellen mit einer Baby-Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 eincremen“, erklärt Kasparek. UV-Masken sind eine clevere Variante, um die Augen vor der Sonneneinstrahlung zu schützen – mit ihren engen Maschen halten sie nebenbei auch noch lästige Plagegeister ab. Reagieren mehrere Pferde auffällig sensibel mit Sonnenbrand oder sogar Bläschen auf der Haut, solle man sich die Pflanzen auf der Weide genauer ansehen, sagt die Tierärztin. Bestimmte Kleearten und Johanniskraut können, wenn die Pferde sie fressen, zu überempfindlicher Haut führen.
Achtung Sonnenbrandgefahr! Pferde mit großen Abzeichen sollten vor verbrannten Nüstern geschützt werden.

4. Schichten schieben

Der frühe Vogel kann Sie mal? Gut, dann bleiben noch die Abendstunden. Denn zu diesen Zeiten ist es nicht nur für Sie, sondern auch für Ihr am Pferd am angenehmsten zu arbeiten. Oder wie wäre es zur Abwechslung mit einer Trainingseinheit im kühlen Wald? Und wenn Ihnen ein Turnierstart in der Mittagshitze bevorsteht, führen Sie Ihr Pferd an die anstehende Belastung und die heiße Zeit heran. Und zwar Tage vorher mit leichter Arbeit und kurzen Reprisen, damit es sich akklimatisiert.

5. Langsam abkühlen

Nach der Arbeit ab in den Schatten. Hier kann Ihr Pferd im Schritt am besten auf Normaltemperatur langsam herunterkühlen. Auch Abwaschen mit lauwarmem Wasser und Abziehen mit dem Schweißmesser kühlen ab.

6. Schweiß-Alarm

Elektrolyt-Mangel? Beim Freizeitpferd? Nein, da schüttelt Anja Kasparek den Kopf. Ist ihr noch nicht untergekommen. „Die meisten Pferde der Hobbyreiter werden in einem sehr moderaten Rahmen belastet, da werden sie keinen Mangel an Elektrolyten erleiden“, sagt sie. „Elektrolyte kann man geben bei großer Hitze plus hoher Belastung, wenn die Pferde wirklich viel schwitzen. Bei Hochleistungspferden, wie Vielseitigkeits-, Distanz- oder Rennpferden beispielsweise, macht die Gabe von Elektrolyten Sinn. Und der Haushalt lässt sich so auch relativ gut wieder ausgleichen.“ Zu einem Mangel muss es also nicht kommen. Ob der Elektrolythaushalt aber doch ins Wanken gerät, stellt der Tierarzt anhand einer Blutgas-Untersuchung fest. Deutliche Mangelerscheinungen zeigen sich übrigens auch äußerlich, durch Zittern im Bereich der Flanke oder der seitlichen Brust.