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Unfall beim Ausreiten: Ein Plan für den Notfall

Verletzt im Wald, das Pferd weg, kein Handyempfang – ein Horrorszenario, vor dem es jedem Reiter graut. Was zu tun ist, wenn ein Unfall im Gelände passiert.

Wer alleine ausreitet, sollte immer ein Handy dabei haben und andere über seine Route informiert haben. Einen Sturz kann man nie ausschließen.

Ein Knacken im Unterholz. Binnen von Sekunden, sprintete mein Pferd los, ich geriet in Schieflage. Er bekam noch mehr Angst und lief im Zickzack durch den dichten Wald. Ich bin mit voller Wucht gegen einen Baum geprallt“, beschreibt Carola W. (Name der Redaktion bekannt) ihren schlimmsten Sturz bei einem Ausritt. Ihr Pferd fingen Fußgänger ein. Sie selbst führte es noch ein paar Schritte, gestand sich dann aber ein: „Es geht nicht mehr, ich kann keinen Schritt mehr laufen.“ Eine Frau kam ihr zur Hilfe. „Sie hat den Rettungswagen gerufen und beschrieben, wo wir sind“, berichtet Carola W..

Glück gehabt. Denn im Wald ist es häufig gar nicht so einfach, genaue Standorte durchzugeben. Was also tun, wenn der Ernstfall eintritt und man nach einem Sturz Hilfe rufen muss? Im hoch technisierten 21. Jahrhundert spielen Ortungssysteme eine immer größere Rolle. Aber so einfach wie es klingt, ist es nicht.

Der entscheidende Anruf

„Am besten ist natürlich eine genaue Adresse durchzugeben“, sagt Christian Wächter von der Rettungsleitstelle Osnabrück. „Wenn die aber nicht bekannt ist oder die Reiter mitten im Wald sind, gibt es verschiedene Mög-lichkeiten.“ Die Ortung des Mobiltelefons, wie sie im Fernsehen suggeriert wird, gehört allerdings nicht dazu. „Für eine Handyortung braucht man einen Beschluss vom Staatsanwalt, weil der Datenschutz da einen Riegel vorschiebt“, erklärt Wächter. Anders sieht die Situation nur aus, wenn der betreffende Handybesitzer sein Einver-ständnis zur Ortung schriftlich erklärt. Die Leitstelle Osnabrück hat dafür ein eigenes Handy mit der Möglichkeit, Whatsapp-Nachrichten zu empfangen. Darüber können Leitstellendisponenten dem Anrufer eine Nachricht senden mit der Bitte, seinen Ort zu senden. Smartphone-Nutzer können über die App ihre Standorte verschicken. Der Empfänger bekommt die Daten dann in einer Karte von Google Maps angezeigt.

Die Netzfrage

Ähnlich funktioniert auch ein System, das „Echo 112“ heißt. Es versendet eine SMS mit einem Internetlink an den Anrufer. Klickt der Empfänger auf den Link, öffnet sich ein Pop-Up-Fenster mit der Frage: „Möchten Sie den aktuellen Standort senden?“ Klickt man auf „Ja“, bekommt die Rettungsleitstelle automatisch die Koordinaten zugeschickt. Viele Leitstellen in Deutschland rüsten dahingehend auf. Hat man kein Netz, nützen einem diese technischen Raffinessen natürlich nichts. Doch „kein Netz“ hat viele Abstufungen. Zeigt das Mobiltelefon an, es habe kein Netz, kann man oft trotzdem einen Notruf an die „112“ absetzen. „Für einen Notruf wählt sich das Telefon in das beste verfügbare Netz ein, das muss aber nicht immer das des eigenen Mobilfunkanbieters sein“, weiß Christian Wächter. Dies gilt natürlich nicht für eine WhatsApp-Nachricht. Eine Ortung funktioniert dann noch via Satellit. Die Technologie dazu ist unter dem Begriff GPS bekannt. GPS-Geräte können die Koordinaten im sogenannten UTM-Format auch ohne Internetverbindung anzeigen.

Notfalltreffpunkte merken

Navigationsgeräte für Autos verwenden diese Technik. Gibt man die Koordinaten bei einem Notruf telefonisch durch, können die Leitstellen-Disponenten ihre Einsatzkräfte zum richtigen Ort schicken. Für Mobiltelefone gibt es Apps wie zum Beispiel „One Touch Location“ für Android- und IOS-Smartphones. Sie orten per Satellit das Telefon, sodass der Nutzer die Koordinaten ablesen kann. Besteht eine Internetverbindung, werden die Koordinaten zu einem Server übertragen und andere angemeldete Nutzer der App können in Echtzeit den Standort des Telefons verfolgen. Funktioniert die Ortung nicht, bleibt die klassische Beschreibung von markanten Punkten auf dem Weg.

Im Wald sollten Reiter nach Schildern mit der Beschriftung „Notfall-Treffpunkt“ oder „Rettungstreffpunkt“ Ausschau halten. Sie sind in fast allen Bundesländern aufgestellt. Von diesen Schildern sind nämlich die genauen Koordinaten in den Leitstellen bekannt, anhand der Kennung auf dem Schild können sie den Rettungswagen zu exakt diesem Punkt schicken. Diese Punkte können auf GPS-fähige Geräte oder als App auf Smartphones geladen werden. Verfügt das jeweilige Gerät über Netz, können Reiter so schnell herausfinden, in der Nähe welches Punktes sie sich befinden.

Route überlegen

Besser ist es natürlich, Unfällen vorzubeugen. „Das Wichtigste ist, sich vorher Gedanken über den Ausritt zu machen“, erklärt Thomas Ungruhe, Leiter der Abteilung Breitensport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Damit meint er, mögliche Gefahren schon bei der Routenplanung zu bedenken. Vor dem Ausritt im Stall bekannt zu geben, wo man lang reiten will, sei sinnvoll, sagt Ungruhe. Das mache es leichter, jemanden zu finden, wenn er nach dem normalen Zeitraum, den die Runde gewöhnlich dauert, nicht zurückkehrt.

Eine kreative Idee, die in manchen Reitställen genutzt wird: Eine Karte der Umgebung wird im Stall an einer Pinnwand aufgehängt. Wollfäden in unterschiedlichen Farben baumeln darunter an Stecknadeln. An jedem Faden ist ein Schild mit dem Namen eines Pferdes befestigt. Bevor Reiter aus dem Stall zu einem Ausritt aufbrechen, pinnen sie die Stecknadeln für ihre Route auf die Karte und führen „ihren“ Bindfaden daran entlang. So kann die Strecke schnell erfasst werden und auch, wer in einer Gruppe unterwegs ist.

Außerdem sollten Reiter sich für Unfälle rüsten. Kleine Erste-Hilfe-Kits sind handlich. Es gibt sie auch mit Gürtelschnallen, sodass kein Rucksack nötig ist. Besonders im Herbst und Winter ist die Rettungsdecke mit den zwei unterschiedlichen Seiten wichtig, um Verletzte vor dem Auskühlen zu bewahren, dazu die silberne Seite nach außen drehen. „Ein Halfter und ein Führstrick sollten auch immer dabei sein, so kann ich mein Pferd anbinden, wenn ich jemandem Erste Hilfe leisten muss“, rät Ungruhe. Zwei Telefonnummern sollten Reiter einspeichern und auf einem Zettel mitnehmen: die eines Tierarztes aus der Gegend und die vom Stallbetreiber. So können sie jemanden verständigen, falls sich ihr Pferd verletzt.

Wenn das Pferd weg ist

Wenn es tatsächlich zum Sturz kommt, kann es schnell passieren, dass das Pferd in Panik davon läuft. Eine Marke aus Metall mit den eigenen Kontaktdaten am Equipment kann hilfreich sein, damit sich Personen, die das Tier einfangen, schnell orientieren können. Unbedingt sollten die Reiter aber darauf achten, dass ihr Handy nicht in einer Satteltasche am Pferd verstaut wird. „Das Mobiltelefon gehört an den Körper des Reiters, denn es nutzt wenig, wenn das Pferd damit durch Wald und Flur streift“, fasst Wächter zusammen. Hilfe rufen zu können, ist lebenswichtig.