Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Tipps für mehr Gelassenheit von Uta Gräf

Dressurreiterin Uta Gräf reitet auch noch mit der Kaffeetasse in der Hand ihre Pirouetten, ohne dass ihre Pferde scheuen. Deshalb weiß sie, wie wichtig Gelassenheitstraining ist. Für jede Schreck-Situation hat sie eine einfache Lösung parat.

Gelassen in jeder Situation: Le Noir unter Uta Gräf 2013 in Donaueschingen.

Grand Prix-Reiterin Uta Gräf sagt liebevoll, dass „das Herz bei ängstlichen Pferden schnell ein bisschen schneller schlägt. Diese Tiere sind meist sensible Typen oder Pferde mit einer Vorgeschichte.“ Sie rät Reitern dazu, größtmögliches Vertrauen aufzubauen, indem man im Umgang versucht, immer konsequent und gleich zu reagieren. „Meist merkt das Pferd schon an der Körperspannung des Reiters, dass etwas nicht stimmt.“ Ein ängstliches Pferd sollte ihrer Meinung nach nicht von einem ängstlichen Reiter geritten werden. Damit der Reiter keine Panik bekommt, hat sie für jeden „Pferde-Schreck“ einen hilfreichen Tipp parat.

Tierische Begegnung

Hat das Pferd Angst vor Kühen, sollte man den Vierbeiner langsam an die Tiere heranführen. Vielleicht kommen Sie am ersten Tag nur in zehn Metern Entfernung an der Kuh vorbei. Auch das sollten Sie als Erfolg sehen. Steigern Sie die Nähe zum Tier Tag für Tag. „Wichtig ist, dass das Pferd besser wird und nicht schlechter, sondern mehr Vertrauen aufbaut.“ Vielleicht sind Sie am dritten Tag bereits auf Augenhöhe mit der Kuh.

In jeder Ausgabe der Reiter Revue finden Sie viele Tipps rund um die Ausbildung, das Training, die Gesundheit, Pflege und Haltung Ihres Pferdes. Hier können Sie Ihr Jahresabo bestellen und sich eine tolle Prämie aussuchen!

Schreck-Gespenster

Schreck-Gespenster sind genau die Gegenstände wie Blumen, Viereckumrandungen oder Kinderwagen, die Zuhause kein Problem darstellen, aber in fremder Umgebung sehr wohl. Uta Gräf rät dazu, bewusst im heimischen Stall das zu üben, wovor das Pferd auswärts besonders viel Angst hat. „Mein Pferd Dandelion hatte besondere Angst vor Bandenwerbung. Also haben wir auf dem Platz Schilder aufgehängt, die jeden Tag an einer anderen Stelle positioniert wurden. So lernte er, dass es der Normalzustand ist, dass sich der Reitplatz verändert.“ Genauso kann man es mit Gegenständen wie Decken, Folien und Kinderwagen handhaben.

Uta Gräfs Checkliste
Das brauchen Sie für die Gewöhnung an neue Gegenstände:
- Wählen Sie einen Tag, an dem Ihr Pferd entspannt ist.
- Nehmen Sie sich Zeit!
- Sie brauchen das Gefühl der Gewissheit, dass es klappt.
- Stellen Sie sicher, dass Hilfe zum Führen oder Beruhigen da ist, wenn Ihr Pferd nicht an dem neuen Gegenstand vorbei will.

Händchen halten

Natürlich kann Ihnen der Reitlehrer während des Unterrichts nicht die Hand zur Beruhigung halten, aber dennoch wertvolle Tipps geben, wenn es für Ihr Pferd gedanklich in manchen Ecken der Halle spukt. Uta Gräfs Tipp: „Ich rate meinen Schülern, nicht direkt auf die Schreckstelle zuzureiten, sondern gezielt auf dem dritten Hufschlag im Schultervor zu beginnen. So kann der Reiter selbstständig den Weg auf der Linie bestimmen. Er kommt etwas entfernt an der Schreck-Stelle vorbei und sollte genau an dieser mit seinem Sitz loslassen.“

Glotz-Stelle

Ihr Pferd hat eine Abschwitzdecke auf der Bande liegen gesehen und schaut bei jeder Runde dorthin. Uta Gräfs Tipp: „Beißen Sie sich nicht an der ‚Glotz-Stelle‘ fest. Fühlen Sie, ob Ihr Pferd loslässt, sodass sie mal etwas näher an die Stelle heranreiten können. Im Anschluss bleiben Sie wieder etwas entfernt, um Sicherheit zu vermitteln. Kommen Sie dann erneut näher an die ‚Glotz-Stelle‘ und seien Sie mit einem Teilerfolg zufrieden. Dann loben Sie das Pferd, um das Gefühl zu vermitteln: ‚Guck mal, schon ist es besser‘.“

Rennflitzer-Bremse

Wenn das Pferd aus Angst durchgeht und den Turbo einlegt, rät Uta Gräf, auf keinen Fall krampfhaft an den Zügeln zu ziehen. Wer in dieser Situation selbst den Überblick behält und ruhig, aber konsequent versucht, durch das Reiten eines Zirkels Kontrolle über das Pferd zu bekommen, macht es dem Wildfang leichter, die Panik zu überwinden. Besser ist es, Gefahrenstellen schon vorher im Blick und die Stimmung des Pferdes im Gefühl zu haben. Wenn Sie merken, dass Ihr Angsthase vor Schreck das Weite suchen will, ist Uta Gräfs einfacher Trick: „Reiten Sie einen Übergang vom Trab zum Schritt und traben Sie an der Schreckstelle direkt wieder an.“ Damit kann das Pferd kontrolliert aber zügig die beängstigende Situation verlassen.

Ecken-Spuk

Geht das Pferd beispielsweise an einer bestimmten Stelle nicht vorbei, empfiehlt Gräf keine große Sache daraus zu machen. „Driftet das Pferd nach innen, Richtung zweiter Hufschlag, lösen Sie das Problem reiterlich und treiben es wieder konsequent nach außen. Die Angst des Pferdes sollte man immer als reiterliches Problem sehen.“ So werden der Reiter und auch das Pferd vom Problem der Ecke abgelenkt und müssen sich vermehrt aufs Training konzentrieren.

Dieser Artikel ist erstmals erschienen in Reiter Revue 1/2015