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Leseprobe aus der September-Ausgabe

Richterbewertungen einordnen: Wann ist die 10 eine 10?

In Dressurpferdeprüfungen benoten die Richter die einzelnen Gangarten. Wie stark aber fließt der Ausbildungsstand mit ein? Sollte ein leicht unsicherer Takt die Note drücken oder ist er angesichts des jungen Pferdealters kein Hindernis für eine 10,0?

Am Richtertisch werden die Entcheidungen gefällt. Wann aber ist die Note 10 gerechtfertigt?

Schwungvoll trabt er die Mittellinie hinunter, mit grandioser Schulterfreiheit, kraftvoll durchfußend, elastisch wie auf einem Trampolin. Doch das rechte Vorderbein bleibt zu Beginn der Prüfung im Vorfußen teils minimal stecken und tritt etwas kürzer als das linke. Das Pferd dehnt sich noch nicht ganz gleichmäßig ans Gebiss heran. Der Hengst ist fünfjährig, noch mitten in der Ausbildung. Kleine Unsicherheiten darf man ruhig seinem Alter zuschreiben.

Aber als die Richter am Ende die 10,0 für den Trab in dieser Dressurpferdeprüfung der Klasse L zücken, wirft das bei manchem die Frage auf, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um diese Note zu vergeben. Reiter Revue International hat sich bei renommierten Richtern und Ausbildern umgehört, wie sie den gezeigten Trab bewerten würden. Von „Diese Note ist ein Skandal“ bis „Die Begeisterung ist absolut nachvollziehbar“ gingen die Meinungen auseinander.

Deshalb stellt sich grundsätzlich die Frage, wann die Bestnote 10,0 tatsächlich gerechtfertigt ist? Welche Kriterien spielen eine Rolle und welche Unsicherheiten sind dem jungen Alter entsprechend in Ordnung? Ulrike Nivelle gehört seit Kurzem zu den sieben deutschen Fünf-Sterne-Richtern. Sie hat die Prüfung nicht verfolgt und sagt klar, dass sie dementsprechend dazu auch keine Aussage treffen möchte. Aber sie gibt im Interview klare Antworten, wann die Note 10,0 aus ihrer Sicht angebracht ist.

Frau Nivelle, wann ist eine 10 eine 10?

Eine 10 gebe ich, wenn ich glaube, es geht nicht besser. Nehmen wir als Beispiel die Grundgangart Trab: Die Grundlage ist der klare Zweitakt mit einer deutlich erkennbaren Schwebephase. Für mich ist wichtig, dass das Pferd dabei über den losgelassenen Rücken schwingt und die Vor- und Hinterhand ein deutliches Abfußen und die Hinterhand auch ein klares Untertreten zeigen. Die Bewegung ist elastisch, die Schubentwicklung mit einer entsprechenden Schulterfreiheit deutlich zu erkennen. Wenn ich der Meinung bin, dass die Grundgangart dem entspricht und so hervorragend ist, gebe ich eine 10.

Das ganze Interview mit Ulrike Nivelle lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Reiter Revue, die Sie hier versandkostenfrei bestellen können.