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Pferde im Wasser optimal trainieren

Bewegliche Gelenke, einen knackigen Hintern und einen starken Rücken – das wünschen sich alle Reiter für ihr Pferd. Schaffen kann das jeder, mit nur 25 Minuten Schritt reiten pro Tag – im Wasser! Alles zum perfekten Aqua-Training erfahren Sie hier.

Im Sommer macht das Reiten im Meer noch mehr Spaß. Der Trainingseffekt beim Wassertreten ist immens.

Sommer, Sonne, Strand und Meer – Ferienzeit? Nicht für die Pferde, denn Wassertreten ist anstrengend. Und ist deswegen eine effektive Methode, mit Spaß und Abkühlung wichtige Muskelpartien des Pferdes zu trainieren. Springreiter René Tebbel nimmt mit seinen Pferden gerne eine kleine Abkühlung. Wenn er mit ihnen im Frühjahr bei der Mediteranean Equestrian Tour ist, nutzt er die Chance täglich mit ihnen ins Wasser zu gehen. Er erklärt warum: „Wenn ich jeden Tag mit meinem Pferd eine halbe Stunde ins Wasser gehe, kann ich in drei Wochen rein kraftmäßig vier Wochen reguläres Training aufholen. Ich müsste das Pferd sonst zweimal am Tag sehr lange reiten und so kann ich jeden Tag einmal eine halbe Stunde ins Wasser gehen und habe den gleichen Effekt. Außerdem sind die Pferde danach immer unheimlich ausgeglichen.“

Tierarzt und Vielseitigkeitsreiter Dr. Matthias Baumann von der Praxis und Rehaklinik Steinberg erklärt, warum das so ist: „Die Pferde versuchen, die Beine aktiv gegen das Wasser aus dem Wasser herauszuziehen. Das beansprucht besonders die Strecker der Vordergliedmaßen, die Kruppenmuskulatur und den langen Rückenmuskel – stärker als bei normalem Training.“

Baumann setzt nicht nur bei gesunden Pferden auf Wassertraining. „Nach einer Operation kann man die Pferde im Aquatrainer kontrolliert bewegen, das verkürzt die Rekonvaleszenz. Wasser ist im Prinzip das älteste physiotherapeutische Gerät, das es gibt.“

Im Wasser heben die Pferde ihre Beine stärker an. Sie versuchen bei jedem Schritt über den Wasserspiegel zu steigen, so Dr. Baumann. „Steht das Wasser auf Höhe des Karpalgelenks, hat eine halbe Stunde Schritt reiten im Wasser den gleichen Effekt wie eine halbe Stunde Cavaletti-Training. Mit der Besonderheit, dass das Pferd seine Beine bei jedem Schritt verstärkt anhebt und nicht nur über drei oder vier Cavaletti“, erläutert der Tierarzt. Nicht nur die Muskeln, auch die Gelenke freut’s. Deren Beweglichkeit wird im Wasser enorm gesteigert. „Aus der verbesserten Mobilität folgt, dass die Gelenke besser indirekt durchblutet werden“, erklärt der FEI-Tierarzt.

Viele Pferde mögen es im Wasser zu spielen.

Die Kneipp-Kur fürs Pferd

Nicht nur den Trainingseffekt des Wassers kann sich der Reiter zunutze machen. Ebenso regeneriert das kühle Nass beanspruchte Muskeln. Matthias Baumann erinnert sich an ein anstrengendes Training zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Seoul 1988, wo er letztendlich Teil des Gold-Teams war. „Wir haben in Luhmühlen mit den Pferden am Hang trainiert und sind viel galoppiert. Die Pferde waren von der Muskulatur her richtig ‚sauer‘.“ Das bedeutet, dass die Muskulatur nach harter Arbeit ihren Dienst quittiert. Der pH-Wert der Muskelflüssigkeit steigt messbar an. Nach der Arbeit ging es dann für alle Pferde in einen Fluss. „Wir haben sie einfach 20 Minuten so im Wasser schreiten lassen, wie sie es wollten. Danach kamen sie total entspannt wieder heraus, als hätten sich die Muskeln komplett regeneriert. Wasser hat einen absolut positiven Effekt für die Muskulatur nach harter Arbeit“, beschreibt der Tierarzt. Was aber tun, wenn das eigene Pferd partout nicht sein Seepferdchen machen möchte? Springreiter René Tebbel erklärt: „Am besten geht es, wenn man sich viel Zeit nimmt und jemanden mit einem Pferd dabei hat, das Wasser kennt und dem unsicheren Pferd Sicherheit geben kann.“ Baumann fügt hinzu: „Natürlich gibt es Pferde, die sich erst einmal fürchten, wenn sie ins Wasser sollen. Aber sobald sie bemerken, dass es ein tolles Element ist, lieben sie es.“ Denn Meer, Fluss oder Bach sind nicht nur die optimale Muckibude für Pferde. Hinzu komme der Kühl- und Massageeffekt des Wassers, so Baumann. Er empfiehlt pro Trainingseinheit etwa 25 bis 30 Minuten. Ein Zuviel gibt es aus tierärztlicher Sicht nicht. „Untersuchungen haben gezeigt, dass die Muskeln nicht übersäuern oder plötzlich keinen Sauerstoff mehr bekommen, selbst wenn man länger im Wasser reitet.“ René Tebbel hört dabei ganz auf seine Pferde: „Man merkt an der Atmung des Pferdes, wann es müde oder ihm das Ganze zu anstrengend wird. Dann sollte man schon aufhören. Die Trainingslänge ist immer von der Kondition des Pferdes abhängig. Bei jungen oder eher untrainierten Pferden reicht schon eine Viertelstunde Training im Wasser.“

Wassertreten ist für das Pferd im Schritt am effektivsten.

Am effektivsten ist Wassertraining übrigens im Schritt. „Man kann auch ruhig mal traben, aber dann nimmt das Pferd den Schwung aus der Bewegung mit. Im Schritt nutzt das Pferd hingegen mehr Muskelpotenzial des vorführenden Muskels als im Trab“, sagt Baumann. Arbeit ist trotzdem angesagt, denn wer sein Pferd im Schritt am langen Zügel „dahinlatschen“ lässt, riskiert Zuviel. Matthias Baumann weiß warum: „Das Pferd muss an den Hilfen stehen und eine gewisse Körperspannung haben. Wenn der Boden unter Wasser doch einmal uneben wird oder ein Stück wegsackt, schützt die Körperspannung das Pferd vor Verletzungen.“

Seepferdchen lässt grüßen

Wie tief der Reiter mit seinem Pferd ins Wasser gehen möchte, bleibt ihm selbst überlassen. René Tebbels Pferden steht das Wasser gerne mal bis zum Bauch. Dr. Baumann sagt: „Das Wassertreten hört da auf, wo das Pferd zu schwimmen beginnt. Das ist dann nämlich eine ganz andere Belastung für die Pferde und geht vermehrt auf den Kreislauf.“ Vorsicht: Nicht jedes Pferd kann schwimmen. Dr. Baumann unterscheidet drei Typen. Erstens, die Freischwimmer: „Pferde die gut schwimmen, halten ihre Kruppe oben.“ Zweitens, die Seepferdchen: „Schlechte Schwimmer halten die Kruppe unten, das geht total auf den Rücken.“ Und die absoluten Nichtschwimmer: „Das steht ihnen aber nicht auf die Stirn geschrieben. Diese Pferde gehen im Zweifel einfach unter.“ Also besser nicht den Boden unter den Füßen verlieren.

Julia Mestern und Gumpi machen es vor: Wassertraining stärkt die Muskulatur und macht Spaß!