Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Leseprobe aus der Dezember-Ausgabe

Die Anlehnung verstehen und verbessern

Wer in der Reitlehre an Anlehnung denkt, denkt in erster Linie an eine korrekte Kopf-Hals-Haltung des Pferdes. Was die meisten vergessen: Anlehnung beginnt im Hinterbein. Unsere Experten erklären, was eine reelle Anlehnung bedeutet und wie sie entsteht.

Das Hinterbein fußt unter den Schwerpunkt, der Bauchmuskel spannt sich an, der Rücken wölbt sich auf, das Pferd ist in Balan- ce

Sich an jemanden anzulehnen, bedeutet, dass man sich wohlfühlt. Man vertraut der Person, sucht Stabilität, hat keine Angst, grob zurückgewiesen oder fallengelassen zu werden. Doch braucht es erst einmal Vertrauen, um sich anzulehnen. Im Grunde beschreibt dies ziemlich genau, was es mit der Anlehnung zwischen Reiterhand und Pferdemaul auf sich hat. Allerdings ist der Hintergrund ein deutlich differenzierter, als nur einen Halt im Miteinander zu suchen. Denn die Anlehnung ist das Ergebnis korrekten Reitens. Doch genau aus diesem Grund ist eine fehlerhafte Kopf-Hals-Einstellung so weit verbreitet. Denn wer sich als fortgeschrittener Reiter versteht, achtet häufig vorrangig darauf, dass sein Pferd augenscheinlich am Zügel geht. Schnell wird manipuliert, der Kopf in Position gezwungen, um nach außen zu signalisieren, dass man kompetent ist und das Pferd unter Kontrolle hat. Allerdings stößt dieser Weg schnell an Grenzen.

„Die Anlehnung muss vom Pferd ausgehen“, macht Pferde-Osteotherapeutin Beatrix Schulte Wien als erstes deutlich. „Der Mensch lehnt sich auch bewusst irgendwo an. Dort, wo es angenehm ist.“ Wie der ehemalige Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule, Michael Putz, einmal sagte, müsse der Reiter das Gebiss dem Pferd schmackhaft machen. „So beginnt es zu kauen und sucht darüber die Anlehnung an unsere Hand“, erklärt Schulte Wien. In welcher Position sich der Kopf zu diesem Zeitpunkt noch befindet, ist erst einmal nicht so wichtig. Denn: Die für das Pferd angenehme Verbindung zur Reiterhand ist nur ein kleiner Teil des Zusammenspiels mit dem Ergebnis der Anlehnung.

„Besonders in Übergängen ist es normal, dass junge Pferde noch nicht geschlossen und stabil in der Anlehnung sind.“ Hubertus Graf Zedtwitz

„Anlehnung beginnt beim Heranfußen des Hinterbeins.“ So fasst es Dressurausbilder Hubertus Graf Zedtwitz kurz und bündig zusammen. Dann erläutert er: „Hat der Reiter das Pferd vor seinen treibenden Hilfen, bewegt es sich losgelassen und ausbalanciert, fußt es mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt. Die Bauchmuskeln spannen sich in diesem Moment an, der Rücken wölbt sich auf und die Energie aus dem Hinterbein fließt über den Rücken in die weiche Zügelverbindung bis zum Maul.“ Dort stößt sich das Pferd am Gebiss ab. Es dehnt sich an die Hand heran. Und zwar nicht nur in der Dehnungshaltung, in der die Pferdenase ab Höhe des Buggelenks getragen wird, sondern auch in der Aufrichtung. In beiden Fällen sollte die Stirn-Nasen-Linie des Pferdes vor der Senkrechten sein.

Den ganzen Artikel über 14 Seiten finden Sie in der Dezember-Ausgabe der Reiter Revue. Unsere Experten zeigen viele Übungen, mit denen Sie sich eine reelle Anlehnung Schritt für Schritt erarbeiten können. Außerdem geht es neben der oftmals falsch verstandenen Anlehnung auch um die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Ihr Pferd sich gerne bei Ihnen anlehnt. On top zeigen wir fünf typische Anlehnungsprobleme und deren Lösungen. Die Dezember-Ausgabe können Sie hier versandkostenfrei vorbestellen.