21.08.2008 - Vier Dopingfälle, auch von Ahlmann, überschatten Springsport

Die Dopingprobe ist am 17.8. nach dem ersten Umlauf des Nationenpreises bei Cöster genommen worden. Gesternabend wurde das deutsche Team vorab telefonisch informiert, dass das Ergebnis leider positiv sei, um 22 Uhr kam dann die offizielle schriftliche Mitteilung. Ahlmann durfte das Olympiagelände vorerst nicht verlassen, nach einer Anhörung bei der FEI heute um 10 Uhr durfte er dann auf seinen eigenen Wunsch die Heimreise nach Deutschland antreten; Cöster ist noch hier.

Doch nicht nur bei Cöster wurde die verbotene Substanz Capsaicin festgestellt. Auch drei weitere für das Einzelfinale qualifiziete Reiter stehen nicht mehr auf der Starterliste, da die Proben ihrer Pferde ebenfalls positiv getestet wurden: Der Beste der Qulifikation, Tony Andre Hansen (NOR), Denis Lynch (IRE) und Bernado Alves (BRA). Der Amerikaner Will Simpson (USA) hingegen stand nicht mehr auf der Liste, wiel er der vierte Amerikaner im Einzelfinale war, jedoch nur drei pro Nation zugelassen sind. Jedenfalls sind fünf Reiter nachgerückt: Michan Alberto (MEX), Lotta Schulz (SWE), Camillo Benedicto (BRA), Taizo Suytani (JPN) und Matt Williams (AUS).

“Es ist eine Katastrophe für den Springsport, der absolute worst case”, äußerte sich Reinhard Wendt. Die Zukunft des Reitsports als Olympiadisziplin scheint wieder einemal ungewiss. Und wieder einmal könnten die Dopingverfahren im Nachhinein zu einer Umverteilung der Medaillen führen, die die Springteams von Norwegen und USA - vorerst - erhalten haben. Doch bis dahin müssen die Verfahren erst abgeschlossen sein.

Was soll man sagen? Es ist eine riesige Enttäuschung und eine Katastrophe für den Springsport. Und für das Finale heute Abend wird sich wohl kaum noch jemand ernsthaft interessieren.

Hier noch die offizielle Pressemitteiling der FN:

Springreiter Christian Ahlmann von den Olympischen Spielen suspendiert. Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) hat Springreiter Christian Ahlmann (Marl) von den Olympischen Spielen suspendiert. Im Rahmen einer Medikationskontrolle am 17. August bei den Olympischen Spielen in Hongkong wurde bei seinem Pferd Cöster die Substanz Capsaicin nachgewiesen. Dies teilte das Legal Department der Internationalen Reiterlichen Vereinigung gestern gegen 20 Uhr dem Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Dr. Hanfried Haring, mit.

Im Anschluss wurde das Ergebnis der Medikationskontrolle dem Chef de Mission, Reinhard Wendt (Warendorf), und dem Reiter Christian Ahlmann mitgeteilt. Die internationale Reiterliche Vereinigung hatte heute zur Klärung des Sachverhaltes um 10 Uhr eine Anhörung angesetzt, die zu folgendem Ergebnis führte:

Christian Ahlmann wurde mit sofortiger Wirkung von den Olympischen Spielen ausgeschlossen und darf damit nicht am olympischen Finalspringen heute Abend teilnehmen. Damit tritt bei Olympischen Spielen die neue Regelung in Kraft, die vorsieht, dass Reiter und Pferd bereits nach einer positiven A-Probe vom Turnier suspendiert werden. Die Öffnung der B-Probe ist für Freitag, 22. August, um 10 Uhr im “Hong Kong Analytical Laboratory” vorgesehen.

“Die Beschleunigung des Verfahrens, die international unter besonderer Mitwirkung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ins Leben gerufen wurde, ist genau richtig”, bekräftigte Dr. Haring die neue Regelung. “Wir werden seitens der FN alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Fall aufzuklären”, so Haring weiter.

“Bei der Substanz Capsaicin handelt es sich um ein Extrakt der Chilischote, das zur oberflächlichen Behandlung auf der Haut angewendet werden kann”, so der Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting (Weilerswist). “Es hat in erster Linie einen durchblutungsfördernden Effekt”, erklärt Nolting.
(Dennis Peiler)