19.08.2008 - Van Grunsven gewinnt vor Werth und Kemmer
Die Party ist erst zu Ende, wenn der letzte Tanz getanzt ist. Im Dressursport ist es nicht anders. Auch bei den Olympischen Spielen ist erst über Sieg und Niederlage entscheiden, wenn das letzte Pferd das Viereck nach der Kür verlassen hat. Und es war ausgerechnet Salinero, der die Einzelwertung beendete und seiner Reiterin Anky van Grunsven damit eine besondere Ehre erwies: Zum dritten Mal in Folge sicherte sich die Niederländerin Einzelgold bei Olympischen Spielen. Das “Duell der Giganten”, Deutschland gegen Niederland, Werth gegen van Grunsven, ist entschieden. „Ich habe niemals geglaubt, dass das funktionieren kann. Ich bin wirklich geschockt. Ich weiß auch, dass ich sehr viel Glück gehabt habe, aber in einer Stunde kann ich mich über diese unglaublichen Spiele freuen“, so van Grunsven, die ihren Sieg nicht gleich realisierte. Glück hatte sie insofern, als dass ihr in der ersten Wertungsprüfung, dem Grand Prix Special, Fehler unterlaufen waren. Ihrer größten Konkurrentin, unserer Isabell Werth, waren jedoch noch größere Fehler passiert – und sie führte nur sehr knapp vor van Grunsven. „Ich wusste, dass ich in der Kür volles Risiko reiten muss, wenn ich noch eine Chance auf Gold haben will“, erklärte Werth. Vor Olympia galt das Paar als die sicherste Säule des Deutschen Teams – und sorgte nicht zuletzt für Mannschaftsgold. „Aber ich habe immer gesagt, das kann nicht ewig so weitergehen. Irgendwann kommt auch mal ein Rückschlag, ein Einbruch“, so Werth heute. Oder ein Ausbruch, wie Satchmo leider ausgerechnet im Grand Prix Special und in der Kür demonstrieren musste, nachdem jahrelang alles gut gegangen war. Wie von der Tarantel gestochen verweigerte er auch in der heutigen Kür in der Piaffe-Pirouette wieder den Dienst, sprang rückwärts, bockte. Obwohl er sich den Rest der Prüfung überragend zeigte, kostete dieses Malheur Punkte; und die Goldmedaille. Nachdem Anky van Grunsven Isabell Werths Ritt gesehen hatte, war ihr klar „Ich musste nichts riskieren. Eine saubere Kür, keine Fehler, und Gold war greifbar.“
Noch vor ihr ritt Heike Kemmer ein, die auf Bronzekurs war, van Grunsven in punkto Gold jedoch nicht mehr gefährlich werden konnte. Der 15-jährige Bonaparte tanzte sich mit Leichtigkeit durch die ihm so bekannte Kür, besser, als man ihn je gesehen hatte (lediglich einmal galoppierte er in der Trabtraversale an), und machte seine Reiterin zur strahlenden Dritten. „Meine erste Einzel-Champioantsmedaille, und gleich Olympia-Bronze, für mich ist es einfach ein Traum“, freute sich Kemmer. Ihr Pferd ist in den letzten Wochen wirklich über sich hinaus gewachsen. Der Aufenthalt in Hongkong und das intensive, gemeinsame Training haben Heike Kemmer und ihren “Bonny” deutlich voran gebracht - und sie konnte sich den Traum von der Medaille erfüllen.
Ein Traum wurde auch für Ankay van Grunsven wahr. Sie ritt ihre Kür tadellos, wenn auch ohne Risiko und besondere Höhepunkt, und bekam mit dem satten Ergebnis von 82,4 Prozent in der Kür ganz klar und verdient Gold (Gesamtergebnis 78,68), gefolgt von Isabell Werth auf einem dennoch erfreulichen Silberrang (Gesamt 76,65). „Ich bin glücklich, erfolgreicher kann man nicht sein“, sagte van Grunsven und fügte hinzu: „Die Woche hier war der reinste Horror für meine Nerven. Das waren meine und Salineros letzte Olympische Spiele. Ich denke, in zwei Jahren darf er in Rente gehen.“ Isabell Werth fügte keck hinzu: “Ich bin hier die Jüngste. Für mich waren es sicher nicht die letzten Olympischen Spiele. Es ist tragisch, dass der Abriss unserer Erfolgsserie ausgerechnet hier in Hongkong passieren musste. Aber ich bin weiterhin absolut überzeugt von Satchmo, er hat das gut gemacht. Bis zum Turnier in Stuttgart ist erst einnmal Pause und wir müssen unsere Probleme wieder in Ruhe aus der Welt schaffen.”
Auch wenn Anky van Grunsven das Ende ihrer Olympia-Karriere ankündigte: Einmal zeigte sich das Paar noch vor dem Olympischen Feuer. Zur Siegerehrung und Ehrenrunde. Diese fand, entgegen der üblichen Zeremonie, leider nur im Trab statt, da Salinero bekannterweise zum Durchgehen neigt. Der Rappe stolzierte unter donnerndem Applaus durch die Arena und schmiss seine Beine, an denen, landesgerecht, orangefarbene Springglocken die Hufe schützten. Und dann war Salineros letzter Tanz unter Olympischen Ringen beendet.















