18.08.2008 - Mannschaftsspringen - Bittere Enttäuschung
Dass sie keine großen Chancen auf eine Mannschaftsmedaille hatten, sagten die Deutschen Springreiter ja schon nach ihrer missglückten ersten Wertungsprüfung am Sonntagabend. Nur mit ganz viel Glück hatte das Team um Bundestrainer Kurt Gravemeier die Finalprüfung am Montag erreicht – und wollte eigentlich beweisen, dass sie doch noch über sich hinaus wachsen können. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, hatte Ludger Beerbaum gesagt. Richtig, aber sie starb. Wir haben alle so sehr mitgefiebert. Und mitgerechnet, denn es wurde am Ende ganz schön knapp. Das Stadion war rappelvoll und zeigte, wie beliebt der Springsport ist. Das hätte unserer Mannschaft ja noch einen Extra-Schub verleihen können….
Motiviert waren die Deutschen Springreiter, das sah man ihnen an. Aber leider nicht gut genug für die Konkurrenz. Christian Ahlmann packte Cöster ziemlich an und lieferte eine gute Runde, aber ausgerechnet am letzten Sprung leistete sich der Schimmel, der schon bei den Olympischen Spielen in Athen am Start war, einen Fehler. Kopfschüttelnd verließ Ahlmann die Arena und warf seinen Helm ins Gebüsch.
Noch schlimmer lief es für Teamkollegen Marco Kutscher: Sein erst neunjähriger Cornet Obolensky verweigerte nach dem Wassergraben und stieg– und im Rest des Parcours war einfach der Wurm drin. Mit 19 Fehlerpunkten lieferte das Paar wieder das Streichergebnis; die Spiele sind für Kutscher beendet, da er das Einzelfinale nicht mehr erreichen kann. “Das war’s. Das war sicher zum Teil ein Reiterfehler, aber auch simpler Ungehorsam des Pferdes”, sagte Kutscher enttäuscht.
Ebenfalls am Wasser verweigerte auch Ludger Beerbaums All Inklusive, was zusätzlich noch zu Zeitüberschreitung und damit zu 6 Fehlern führte. Und auch bei Meredith Michaels-Beerbaum unterlief ein Flüchtigkeitsfehler und sie kassierte vier Strafpunkte. „Jetzt müssen wir sehen, ob die anderen Teams noch mehr Fehler machen als wir“, erklärte Meredith, die genau mitgerechnet hatte. Deutschland lag mit 34 Zählern gleichauf mit den Holländern und hätte beinahe noch um Bronze stechen können. Doch dann setzten sich die Schweizer vor sie (30 Punkte), wurden aber auch noch von den Norwegern übertroffen, die sich als absolute Außenseiter Bronze sicherten (27 Punkte). Wer hatte denn diese Mannschaften auf dem Zettel gehabt? Aber es kam noch besser: Gold und Silber mussten in einem absolut spannenden Stechen im voll besetzten Stadion zwischen den USA und Kanada ausgemacht werden (je 20 Zähler). Die Amerikaner mit Beezie Madden, Laura Kraut, Mclain Ward und Will Simpson sicherten sich den Sieg und waren überwältigt. „Das ist ein Traum. Es ist unglaublich!“ strahlte Laura Kraut. Doch auch die Silber- und Bronzegewinner waren außer sich vor Freude, hatten sie doch nicht wirklich mit Medaillen gerechnet, als sie nach Hongkong geflogen waren.
Zerknirscht verließ das deutsche Team die Teilnehmertribüne. „Es ist so schade. Manchmal ist man einfach nicht dran, das ist der Sport. Dafür war die Stimmung im Stadion super – und heute war Jacque Rogge hier. Das wird der Zukunft des Springsports sicherlich gut tun“, erklärte Ludger Beerbaum. Besonders niedergeschlagen wirkte Bundestrainer Kurt Gravemeier: „Das ist die bitterste Enttäuschung in meiner Karriere. Ich mache den Reitern keinen Vorwurf. Vielleicht haben wir es doch falsch gemacht, fast vier Wochen vor dem Start der Prüfung schon hierher zu kommen. Vielleicht sind die Pferde müde geworden, oder sie haben einfach Prüfungsroutine verloren. Es ist müßig, jetzt nach Ursachen zu suchen. Es ist einfach komplett in die Hose gegangen.“ Meredith Michaels-Beerbaum wollte lieber nach vorn schauen. „Ich hatte dumme Flüchtigkeitsfehler, aber eigentlich ist Shutterfly gut drauf. Die nächsten zwei Tage werde ich es mal anders machen als bisher, nicht so viel Sport und Konzentration. Lieber Relaxen und Shopping, das hilft bei mir fast immer. Und es ist gut, dass die Wertung dann wieder bei Null beginnt.“
Die Karten werden in der bevorstehenden Einzelwertung neu gemischt: Die 35 besten Reiter aus allen bisherigen Wertungen, dazu gehören alle Deutschen außer Marco Kutscher, gehen am Donnerstag ins Einzelfinale, in dem sie ohne alte Strafpunkte antreten. Wer es im ersten Umlauf unter die besten 20 schafft, darf einen zweiten reiten. Kommt es nach diesem zweiten Parcours zu einem Punktegleichstand, wird in einem Stechen um die Medaillen gekämpft.
Am Dienstag und Mittwoch ist für die Springreiter Prüfungspause. Jedoch werden sie Dienstagabend (wie gewohnt ab 13:15 Uhr in Deutschland) den Dressurreitern die Daumen drücken, wenn sie in der Kür um Einzelmedaillen reiten.
Heute heißt es erst einmal schlafen. Denn diesmal muss Kurt Gravemeier, ausgerechnet bei seiner Mannschaft, keine Siegerparty organisieren. Wirklich schade!















