11.08.2008 - Buschreiter-Team nach Dressur auf Platz 2
Heute habe ich verschlafen. Offenbar waren die letzten langen Tage (und kurzen Nächte) wohl doch etwas zu viel. Als ich auf die Uhr schaute, schreckte ich hoch. Es war 5:45 Uhr; nur noch 30 Minuten bis Prüfungsbeginn! Da es so warm ist, war ich aber ruckzuck angezogen. Rein ins Kleidchen , Deutschland-Cap auf – fertig. Erstaunlicherweise gab es auch keine Schlange mehr beim Security-Check und so konnte ich sofort durchmarschieren und rein in den Bus. Punkt 6:20 Uhr war ich auf der Tribüne. Puh!
Ingrid Klimke stellte unser Pferd des Jahres pünktlich um 6:44 Uhr vor. Butts Abraxxas lief hervorragend. In der Trabtour war er zwar noch etwas spannig, wirkte aber dennoch durchlässig und elastisch und die Vorstellung war durchweg gelungen. Das Endergebnis: Sagenhafte 33,5 Punkte; Platz 3 in der Gesamtwertung! „Ich bin so glücklich, er hat zwar ein bisschen nach den Kameras geschaut und sich vor den Vöglen erschreckt, aber es lief super. Und aufs Gelände freue ich mich, ich denke dieser 8 Minuten Stech-Parcours wird Braxxi liegen“, erklärte Ingrid hinterher. Mit Ingrids gutem Ergebnis wartete man nun noch gespannt auf den letzten Deutschen Teamreiter, Andreas Dibowski mit Butts Leon. Es war schon ziemlich heiß, als er um 8:59 Uhr auf den frisch gemachten Platz kam. Auch dieses Paar zeigte eine hervorragende Runde; so gut habe ich Butts Leon eigentlich noch nirgendwo gehen sehen. Das Ergebnis von 39,6 brachte einen guten 11. Platz im Gesamtranking. „Ganz toll. Meinem Pferd liegt diese Wärme. Er ist hier lockerer und besser denn je, hat sogar zugenommen und frisst besser als Zuhause“, erklärte Dibo der Presse.
Insgesamt liegt die Deutsche Mannschaft nun auf dem 2. Platz; beste Voraussetzungen fürs Gelände. „Alle unsere Pferde haben sich hier durch das intensive Training und das kontinuierliche Aufgabenreiten verbessert. Dass wir nach der Dressur so gut vorn liegen, hätte ich kaum gedacht“, strahlte Bundestrainer Hans Melzer. „Nach so vielen Wochen ist es jetzt aber auch absolut notwendig, dass es morgen ins Gelände geht.“ Die Teamorder steht an erster Stelle: Peter Thomsen muss die Strecke als erster austesten und allen Auskunft geben. Spätestens nach dem dritten Pferd wird es die Order geben, ob auf Risiko oder Sicherheit geritten werden kann. „Die Strecke ist kurz, aber extrem schwierig. Viele aufeinander folgende Sprünge, keine Galoppstrecken zum Zeit gewinnen oder auch runter kommen; das wird sehr viel Kraft und Kondition kosten“, so Melzers Einschätzung. Fit sind seine Paare aber absolut.
Die Reiter machten sich schon nach der Dressur auf nach Beas River zu ihrer mittlerweile vierten Geländebegehung. Hans Melzer half um 12:30 Uhr beim Verladen der Pferde und kam mit ihnen nach. Zwei sollten heute noch locker in Beas River gearbeitet werden. Die Geländeprüfung startet morgen um 8 Uhr. Unsere Reiter werden jeweils etwa 45 Minuten abreiten. Kurz vor Prüfungsbeginn werden sie noch einmal 3-4 Minuten in den Kühl-Stationen stehen und mit Ventilatoren und Eiswasser richtig runter gekühlt. Direkt danach geht es an den Start. „Dieses Vorgehen hat sich im Training als die beste Methode erwiesen“, erklärte der Bundestrainer.
Medaillenchancen haben wir durchaus: Unser Team steht mit 110,5 Punkten derzeit an zweiter Stelle hinter Australien (102,8), auf Platz drei rangieren die USA (115,6) gefolgt von den Briten (121,8) und Italienern (127,4). In der Einzelwertung führt die Australierin Lucinda Fredericks (30,4) vor der Belgierein Karin Donckers (31,7) und Ingrid Klimke (33,5). Hinrich Romeike liegt momentan auf Platz 7 (37,4), Dibo auf 11 (39,6), Frank auf 21 (44,6) und Peter Thomsen auf 46 (53,3). Letzterem wurde sein Start als einer der Ersten zum Verhängnis: Die Richter waren hier noch deutlich zurückhaltender als in den folgenden beiden Prüfungsblöcken.
Doch die Medaillen werden ja erst nach Gelände und Springen vergeben. Bis dahin kann noch viel passieren. Toi toi toi, dass morgen alles gut geht!







