In eigener Sache
Meredith Michaels-Beerbaums Kolumne (Teil 3)
11.04.2011
Sport, Spaß und etwas Stress
Nach sechs Wochen in ihrer ehemaligen Heimat Kalifornien steuert Meredith Michaels-Beerbaum nun mit großen Erwartungen auf das Weltcup-Finale Ende April in Leipzig zu. Im dritten Teil ihrer Kolumne berichtet Deutschlands Top-Amazone über die vergangenen Wochen in Kalifornien
Nach sechs Wochen in ihrer ehemaligen Heimat Kalifornien steuert Meredith Michaels-Beerbaum nun mit großen Erwartungen auf das Weltcup-Finale Ende April in Leipzig zu. Im dritten Teil ihrer Kolumne berichtet Deutschlands Top-Amazone über die vergangenen Wochen in Kalifornien.
Meredith Michaels-Beerbaum schreibt exklusiv in Reiter Revue.
Ich hatte wunderbare sechs Wochen in Kalifornien! Wir wohnten nicht weit weg von dort, wo ich aufgewachsen bin und hatten viel Kontakt mit meiner Familie. Ich hatte einige meiner jungen Pferde mitgenommen und stellte sie auf der HITS Desert Tour in Thermal (Kalifornien) vor. Mit meiner zehnjährigen Belgischen Dunkelfuchsstute Kismet von Kannan-Furioso II konnte ich in World Cup Qualifikationen und Grand Prix Prüfungen starten. Sie ging fast jede Runde fehlerfrei und hat viele Schleifen gewonnen, dazu zählen ein dritter Platz in einer Weltcup-Qualifikation und ein vierter Platz in einem mit 200.000 Dollar dotierten Grand Prix. Außerdem hatte ich meinen zehnjährigen Wallach Lancaster von Lesotho-Caletto mit. Mit ihm gewann ich den SmartPak Grand Prix in Thermal und wurde in einem anderen zweite. Diese beiden Pferde sind meine Hoffnungsträger für die Zukunft.
Aber das absolute Highlight war die schöne Zeit, die ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen konnte. Markus war auch da und trainierte einige hoffnungsvolle Nachwuchsreiter. Unsere Tochter Brianne Victoria, mein ganzer Sonnenschein, war natürlich auch mit dabei. Wir hatten einen wundervolle Zeit, als wir mit der ganzen Familie ihren ersten Geburtstag feiern konnten. Getoppt wurde Briannes Geburtstag nur noch von meinem Sieg im Grand Prix mit Lancaster am gleichen Tag
Meredith mit Tochter Brianne Victoria.
Bild: Holcbecher
Womit wir wieder beim Thema Reiten sind. Es ist 20 Jahre her, dass ich in Kalifornien geritten bin und ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie die Leute auf mich reagieren würden. Ich war überglücklich über das warme Willkommen, das sie mir entgegenbrachten.
Ganz stressfrei verliefen die sechs Wochen dennoch nicht. Nach drei Wochen flog ich für zwei Tage nach Deutschland, um mit meinen beiden „alten Jungs“ Shutterfly und Chekmate vor der ersten Etappe der Global Champions Tour in Doha/Katar noch einmal zu trainieren. Dieser Kurztrip war eine einzige Katastrophe, nicht nur wegen des elfstündigen Flugs und des Jetlags durch die Zeitverschiebung. Meine Reise begann mit einer Verspätung von zwölf Stunden, weil ich in San Fransisco am Flughafen festhing. Trotzdem musste es sein, weil ich direkt nach den sechs Wochen in Kalifornien nach Doha/Katar fliegen und dort starten wollte. Also musste ich Shutterfly und Checkmate zwischendurch mindestens einmal reiten, sonst hätte ich sie ja sechs Wochen nicht unter dem Sattel gehabt. Ich war so froh, als das Flugzeug endlich startete. Der Aufwand hat sich dann aber doch gelohnt: Shutterfly wurde bei der Global Champions Tour in Doha dritter. Dass meine beiden Championatspferde so toll in Form geblieben sind, verdanke ich meiner Pflegerin Anu, die beide Pferde während meiner Abwesenheit in einer wunderbaren Verfassung gehalten hat.
‘s-Hertogenbosch…In ‘s-Hertogenbosch lief alles wie am Schnürchen. Checkmate war super in Form, vor allem in der ersten Runde, in der er hervorragend sprang. Im Stechen lief auch alles gut bis zum vorletzten Sprung. Ich wollte einen wirklich kurzen Weg nehmen, aber Checkmate war anderer Meinung. Ich glaube, er hatte sein Auge nicht wirklich auf den Sprung gerichtet. Das brachte uns elf Strafpunkte ein. Ich war trotzdem nicht zu enttäuscht. Schließlich war es mein reiterlicher Fehler und wir waren ja immerhin ins Stechen gekommen, wenn es dann auch nur zu Platz 15 gereicht hat. Jetzt konzentriere ich mich voll und ganz auf das Weltcup Finale in Leipzig Ende April.
Meredith Michaels-Beerbaum bei ihrem Weltcup-Sieg in Lyon.
Alle Bilder: FEI
Aussicht: Das Rolex World Cup Finale in LeipzigIn Leipzig bin ich schon einige Male Weltcup Qualifikationen geritten, in einem Finale bin ich dort noch nie angetreten. 2002 hatte ich mich ein paar Tage vor dem Finale verletzt. Aber dieses Jahr wird es bestimmt ein tolles Event werden. Die Leipziger Messehallen sind fantastisch. Deutschland ist dieses Jahr mit sieben Startern im Springen sehr gut aufgestellt. Das ist ermutigend. Noch toller ist aber die Anzahl der teilnehmenden Amazonen: Elf der 45 Finalisten sind weiblich.
Frank Rothenberger ist ohne Zweifel ein hervorragender Parcoursbauer, wahrscheinlich einer der Besten in der Welt. Er wird von uns Reitern extrem geschätzt. Er wird definitiv einen harten Parcours bauen. Wer immer in diesem Jahr Rolex FEI World Cup™ Champion wird, er wird es verdient haben. Es wird kein einfacher Sieg! Die Halle ist riesig, der Boden fantastisch und ich bin mir sicher, dass wir einige enorme Sprünge sehen werden.
Wie es weiter geht....Nach dem Weltcup Finale Ende April geht es sehr schnell weiter. Als nächstes steht die zweite Etappe der Global Champions Tour vom 6. bis zum 8. Mai in Valencia auf meinem Programm. Wahrscheinlich werde ich dort Shutterfly einsetzten. Auf jeden Fall werde ich mit ihm vorsichtig sein, denn immerhin ist er schon 18 Jahre alt. Ich bin für jeden Tag, den ich ihn reiten kann, dankbar und habe immer große Freude an ihm. Außerdem freue ich mich aber auch darauf, meine jüngeren unerfahrenen Pferde nach vorne zu bringen. Vielleicht hat eins von ihnen ein wenig Shutterfly in sich?
Liebe Grüße,
Meredith Michaels Beerbaum
Zu Teil 1 der Kolumne geht´s hier...
Zu Teil 2 der Kolumne geht´s hier...
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